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Aluhut

Sind wir nicht gegen Mythen, Lügen, Märchen längst immun? Diese Frage sollte eher eine rhetorische sein. Ich stelle sie aktuell in meinem Song "DeineTheorien". Schaut man sich derzeit in den Medien, oder den sozialen Netzwerken um, dann möchte man meinen, dass es nicht so selbstverständlich zu beantworten wäre. Die Intelligenz und die Logik einiger, scheint sich bei manchen Themen phasenweise auszuschalten. Ich kann mir nicht helfen, aber langsam beginne ich am Verstand dieser Menschen zu zweifeln. Ich weiß nicht, woran es liegt, was der ursächliche Auslöser ist, aber ich habe das Gefühl, dass immer mehr Leute in meinem Umkreis dem Verschwörungs-Unsinn auf den Leim gehen.

Tatsächlich widme ich mich bereits seit mehr als 25 Jahren den verschwörerischen Mythen, Mysterien und Deutungen. Nicht unbedingt aus dem Eigenantrieb heraus, sondern weil ich mit diesen Themen oft konfrontiert wurde. Es nervt. Vor allem, wenn mir ungefragt Dinge in immer neuen Zusammenhängen präsentiert werden, die ich in dieser Zeitspanne bereits mehrfach und völlig anders gehört habe. Dann fühlte ich mich genötigt, den Dingen wieder und wieder auf den Grund zu gehen, um meinem Aluhut-Gesprächspartner Fakten zu liefern, die seine Behauptungen widerlegen. Was für eine Zeitverschwendung. Vor allem, weil ich oft vorher wußte, dass wissenschaftliche Nachweise, oder fast alle seriösen Quellen von diesen Menschen ignoriert, oder diskreditiert werden. Da mir das irgendwann zu langweilig wurde, führe ich solche Gespräche nicht mehr. Ich lasse mich nicht mehr darauf ein.

Das soll nicht heißen, dass mich Themenkomplexe, wie diese, nicht interessieren. Nein, ganz im Gegeteil. Ich hatte immer Spaß daran, darüber zu sinnieren. Es war jedoch eher die Wissenschaft und die Politik, die es mir angetan haben. Was ist dran, an solchen Geschichten. Was ist möglich. Was sagen Wissenschaftler, Politiker oder Experten dazu. Ich mag es unheimlich gern über verrückte und abgedrehte Hypothesen nachzudenken. Ob es um nicht existierende Technik geht, um die Mysterien des Weltraums, oder die Weiterführung klassischer Verschwörungstheorien, oder nur der "was wäre wenn..."-Gedanke. Je abgefahrender, umso besser. Nur unterscheide ich hier stark zwischen der Unterhaltung, der wissenschaftlichen oder politischen Theorie, den zweifelnden und den eindeutig populistischen Ansätzen.

Wenn etwas mein Interesse geweckt hat, dann las ich gern Bücher dazu. Gern auch populärwissenschaftliche Abhandlungen. Ob es nun Werke des Physik-Professors Lawrence M.Krauss, oder Bücher von Stephen Hawking waren, um nur zwei Beispiele zu nennen, ich habe so etwas regelrecht verschlungen. Aber auch die typischen Schwurbler kamen bei mir nicht zu kurz. Diverse Bücher von Erich von Däniken las ich, Abhandlungen über Illuminaten, oder den 11. September. Hinzu kamen natürlich Science Fiction- oder Fantasy-Romane, Filme, oder Serien, die ich gern mochte. All das finde ich unterhaltsam und bilde mir mein Urteil. Ich brauche niemanden, der, wie es von vielen Seiten derzeit stattfindet, mir seine Meinung dazu aufdrängen muss. Und schon gar nicht von Leuten, die zwar ihre Meinungsfreiheit fordern, anderen jedoch dieses Recht nicht eingestehen.

Was mich überraschte und gleichzeitig überforderte, war meine erste Begegnung mit einem Verschwörungsgläubigen. Mitte der Neunziger Jahre besuchte uns regelmäßig ein älterer Herr in meiner Arbeitsstätte, um seine Bankgeschäfte abzuwickeln. Er war Kunde und wie es so ist, kam ich neben meiner Arbeit auch gern ins Gespräch mit den Leuten. Wie gehts ihnen, was macht die Familie, passen sie auf sich auf und bleiben sie gesund. Da dieser Herr anscheinend allein lebte und keinen Gesprächspartner hatte, erzählte er uns, was ihn bedrückte. Mit den Inhalten seiner Gesprächsthemen hatte ich nicht gerechnet. Ich war mir auch nicht sicher, wie ernst er es nahm, was er mir präsentierte. Er sprach von den Machenschaften mysteriöser Eliten, von Ufo-Sichtungen und der Neuen Weltordnung und dass diese Dinge ihm Angst machten. Darauf war ich nicht gefasst. Ich blieb wie immer sehr höflich und muss wohl aus seiner Sicht vermittelt haben, dass mir solche Themen gefielen. Wobei ich sehr wohl meine Zweifel nannte. "Die, könne er ausräumen", meinte er. "ich bringe ihnen beim nächsten Mal etwas mit". Das tat er. Anscheinend hatte er mehrere Zeitschriften abonniert, aus denen er mir umfangreich Seiten kopierte und zukommen ließ. Hanebüchene Geschichten über seltsame Entdeckungen, die Präsentation von Augenzeugen unglaublicher Vorkommnisse, die wildesten Spekulationen über Ziele von Regierungen dieser Erde und vielem mehr las ich darin. Ich war sehr erstaunt, dass es für solche Themen überhaupt Verlage und entsprechende Publikationen gab. Noch mehr wunderte ich mich, dass es anscheinend zahlende Abnehmer gab. Wer in aller Welt zahlt für diesen Unsinn? Das war mehr, als nur Unterhaltung. Die Urheber meinten es ernst. Zumindest taten sie so. Sie untermauerten ihre Thesen mit ominösen Fakten, die schwer überprüfbar waren, oder sie ließen wesentliche Bestandteile der Wahrheit weg. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen, so dass es schwierig war ohne großen Aufwand den Dingen auf den Grund zu gehen. Irgendwann besuchte uns dieser ältere Herr nicht mehr. Ob er nun wegzog, oder verstarb, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Es ist lange her.

Einige Jahre danach blieb ich von solchem Geschwurbel zunächst verschont. Bis....ja bis sich tatsächlich jemand aus meinem privatem Umfeld solchen Themen widmete. Derjenige hatte viel Zeit. Er vermied es lange, sich eine Arbeit zu suchen. Ein besonderes Pflicht- oder Verantwortungsbewußtsein gegenüber seiner Familie hat er nicht, nicht einmal gegenüber seinen Kindern. Ganz im Gegenteil. Er nutzte alle Möglichkeiten, sich ein freies Leben gönnen zu können. Meist auf Kosten anderer, die sich darum bemühten, sein Leben zu organisieren. Bis heute hatte er nur ein einziges ernsthaftes Arbeitsverhältnis, welches nach nicht einmal zwei Jahren wieder aufgelöst wurde. Sprich: der Umfang seiner Freizeit war enorm. Schon als Kind und Jugendlicher verbrachte er viel Zeit vor dem Computer. Zunächst mit Computerspielen. Irgendwann kamen Film- und Serienmarathons dazu. Später dann das Internet. Er hatte freie Hand, seine Interessen auszuleben. Weder in der Familie, noch in seinen kurzen Beziehungen schob jemand einen Riegel vor diesen Lebenswandel oder appelierte an sein Gewissen, dass er sich ändern müsse. Somit blieb er bis heute recht unselbständig.

Seine Anfänge, sich mit Verschwörungstheorien auseinander zu setzen, waren eher harmlos. Mehr als ein Hinterfragen einiger aufgeschnappter Mythen, war es zunächst nicht. Ich weiß nicht genau, was sein Ursprung, der Auslöser war, sich mit solchen Inhalten intensiver zu befassen. Aber ich kann mir vorstellen, dass es wahrscheinlich der 11. September 2001 gewesen sein kann, der ihn dazu brachte. Wir unterhielten uns oft darüber, denn gerade dieser Tag verbindet uns. Knapp drei Jahre zuvor, waren wir gemeinsam auf dem Dach, auf der Aussichtsplattform des Südturms des World Trade Centers in New York. Dieser Anschlag traf uns beide emotional. Wir konnten uns einfach nicht vorstellen, wie Menschen mit solch eiskalter Berechnung den Tod von Tausenden in Kauf nehmen. Wir machten uns Gedanken, was wäre gewesen, wenn dies der Tag unseres Besuches gewesen wäre. In den folgenden Jahren wurde in den Medien viel über dieses Ereignis berichtet. Die Zweifler, ob es tatsächlich ein klassischer Terroranschlag war, wurden mehr und die Theorien immer wilder. Auch ich habe ein Buch dazu gelesen, wo viele angebliche Ungereimtheiten genannt wurden. Hier hat der Autor zwar alle bekannten Fakten genannt, er hat aber auch Rückschlüsse gezogen und zusätzliche Informationen eingearbeitet, die alle für mich nicht nachprüfbar waren. Und von Deutungen halte ich nicht viel.

Abgesehen von den normalen Unterhaltungen über die Familie, unsere privaten Aktivitäten, oder über Filme, nahmen die zweifelhaften und verschwörerischen Themen immer mehr Platz in unseren Gesprächen ein. Die NWO, also die sogenannte Neue Weltordnung wurde Thema, die Hohlerde, die BRD-GmbH, Chemtrails oder die angeblich gefakte Mondlandung. Es fielen aber auch Begriffe wie die staatsgesteuerte Lügenpresse, die Rede war auch von den Zionisten und den Rothschilds, die Holocost-Lüge wurde thematisiert und vieles andere mehr aus dem Reich der Mythen. Ich stellte fest, dass er sich immer mehr hineinsteigerte und mittlerweile fest an diese Lügen und Märchen glaubte. Auch, dass ich kaum noch Möglichkeiten hatte, vernünftig zu argumentieren. Er ließ irgendwann keine Fakten mehr gelten und klammerte sich sich nur noch an die Hirngespinste seiner dubiosen Quellen. Als die Gespräche immer verwirrender wurden, habe ich anfangs noch versucht, dagegen zu halten. Mit Wahrheiten, mit Hintergründen. Soweit ich dies wußte. War mir ein Thema fremd, las ich mich sogar ein und habe wertvolle Zeit verschenkt. Und ich hinterfragte seine Aussagen, wie auch die Herkunft seiner Informationen. Was er mir letztendlich präsentierte, war genaugenommen lächerlich. Er nannte mir einige Schwurbler-Seiten im Netz, wie zum Beispiel KenFM, die Seite vom 2011 achtkantig gefeuerten Moderator Ken Jebsen, der bereits vorher wegen Leugnung des Holocost und antisemitischer Äußerungen auffiel. Aber auch andere seiner genannten Internetseiten waren hier nicht viel kreativer, eine Unmenge von Blödsinn zu verbreiten. Was mir dabei auffiel, war, dass diese Seiten wie eine Art Netzwerk funktionierten. Ein Portal meldete eine ungeheure Entdeckung, erschütternde Beweise oder präsentierte angebliche Zeugen wovon auch immer und die anderen zogen nach. Inhaltlich waren die genannten Äußerungen oft nichts als Luft, denn belegbar war vieles nicht. Und mancher angebliche Whistleblower ungeheurer Vorgänge konnte natürlich dann doch nicht öffentlich präsentiert werden, weil er sich selbst damit natürlich in Gefahr bringt. Diese Portale und Intersetseiten haben sich umfassend gegenseitig als Quelle benannt, so dass die Ursprünge selten zurückverfolgt werden konnten. So legitimiert man sich selbst. Da dann die gleiche Meldung irgendwann auf wirklich unzähligen Seiten zu finden war, musste für unseren wissbergierigen Aluhutträger natürlich etwas an der Sache dran sein.

Wenn ich mich entsprechend äußerte, war ich für ihn ein Trottel, ein Schlafschaf, der nur auf den falschen Internetseiten recherchierte. Bis ich eines Tages dann den Satz hörte "Wach doch endlich mal auf! Das ist doch alles so offensichtlich!" Ab da hatte ich dann keine Lust mehr, mich ernsthaft damit weiter auseinander zu setzen. Sämtliche Quellen, egal wo ich mich erkundigte, waren allesamt nur staatsgelenkt. Der Öffentliche Rundfunk wäre eh manipuliert und sowieso nur Spielball der Regierung oder alternativ "von denen da oben". Und der Wissenschaft könne man sowieso nicht trauen, weil sie ja für entsprechende Ergebnisse bezahlt werden.

Letztere Aussage hat mich dann mehr als verwundert. Denn mein Gegenüber ist eigentlich intelligent genug, es besser zu wissen. Wie Wissenschaft funktioniert, weiß er. Und das ist Vorraussetzung, Dinge zu verstehen. Wissenschaft liefert keine Interpretation oder Wunschergebnisse, sondern einzig Fakten. Und eines darf man dabei auch nicht vergessen, Wissenschaft ist ja nicht der einzelne kluge Kopf. Sondern die Gemeinschaft der Forschenden. Sollte ein Wissenschaftler eine Behauptung oder eine Theorie aufstellen, oder selbst ein Ergebnis seiner Forschung liefern können, werden weltweit wahrscheinlich hundert andere, Gegenargumente liefern können, oder selbst forschen, bis sie es bestätigt, oder widerlegt haben. Das muss eigentlich jedem klar sein.

Um nur ein Beispiel zu nennen, worum es in unseren Gesprächen ging, picke ich mir eine Theorie heraus, mit der mein Gesprächspartner immer wieder anfing: Deutschland wäre kein souveränder und freier Staat und hätte keine Verfassung. Dieses Gerücht kursiert seit Jahren vor allem in einschlägig rechten Kreisen und hat durch die Reichsbürgerbewegung eine neue Dimension erreicht. Diese Behauptung wird oft mit sehr unterschiedlichen und weiteren Behauptungen untermauert. Fangen wir mit der Verfassung an und stellen die Frage in den Raum: Wo steht geschrieben, dass wir überhaupt eine Verfassung brauchen, um anerkannt zu werden? Ich sage es euch: Nirgends! Es gibt kein Gesetz oder irgendeine weltliche Vorschrift, wo so etwas als Vorraussetzung genannt wird. Wäre es so, dann dürfte die Weltgemeinschaft das Vereinigte Königreich Großbritannien nicht als Staat anerkennen. Denn dieses hat schlicht und einfach keine Verfassung. Im Gegensatz zu Deutschland. Deutschland hat eine Verfassung. Nur wir nennen sie nicht so. Warum die Schwurbler darauf bestehen, dass der Name eine Rolle spielen müsse, ist mir ein Rätsel. Da stände die zweite Frage im Raum: Wo steht geschrieben, dass eine Verfassung auch Verfassung heißen muss? Auch nirgends. Genauso wie Dänemark, Estland, Irland, die Niederlande oder der Vatikan, heißt sie bei uns Grundgesetz. Daher ist auch der Einwand unserer kleinen Verschwörer völlig unberechtigt, dass dieses Schriftstück auch so benannt sein müsse. Denn rechtlich gesehen ist es überhaupt nicht relevant, wie solch ein Schriftstück heißt. Es könnte genauso gut Skatanleitung oder Karl-Heinz heißen. Wichtig ist, was darin steht. Ein angeblicher Beweis, dass dieses Grundgesetz nicht gültig wäre, führen die zweifelnden Kollegen oft mit dem Artikel 146 unseres Grundgesetzes an. Darin heißt es, dass dieses Grundgesetz nicht mehr gültig ist, wenn "eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist." Rechtlich heißt dies nichts anderes, dass unsere Verfassung, also das Grundgesetz eines Tages abgelöst werden könnte. Nichts anderes. Hier muss nichts interpretiert werden. Weitere Deutungen, warum wir kein souveräner Staat wären, gehen in verschiedene Richtungen. Die einen meinen, wir wären noch immer ein besetztes Gebiet ohne eigene Befugnisse, andere behaupten, das Deutsche Reich existiere immer noch, und wieder ganz andere meinen, dass wir uns rechtlich noch in der Weimarer Republik befänden. Es ist am Ende völlig egal, was mancher hier gern hätte, oder sich vorstellt. Eins steht fest: die Bundesrepublik ist ein anerkannter und legitimierter Staat mit eigenen Gesetzen. Punkt. Das kann uns niemand ohne weiteres streitig machen und niemand wird daran etwas ändern können. Diese Diskussionen, ob die Weimarer Republik, oder das Deutsche Reich noch existieren, hat überhaupt keine Bedeutung oder Auswirkung auf unser Leben. Schon gar nicht, eine rechtliche. Ein dritter Punkt, der von unseren Verschwörungsgläubigen auch gern angeführt wird ist, dass Deutschland keinen Friedensvertrag hat. Das stimmt zum Teil sogar, denn die damaligen Siegermächte haben nur einseitige Friedenserklärungen erlassen. Seit dem Zwei-plus-Vier Vertrag von 1990 hat sich dieses Argument aber in Luft aufgelöst. Es braucht keinen gesonderten Friedensvertrag mehr, weil das Verhältnis zwischen den Ländern mit diesem Schriftstück völlig neu geregelt wurde. Die ehemaligen Besatzungsmächte verzichteten darin auf die bis dahin verbliebenen Rechte, die sie sich nach dem Zweiten Welkrieg gesichert hatten.

Dieses beschriebene Beispiel hielt meinen Diskussionspartner nicht davon ab, alle Fakten zu diskreditieren und für nichtig zu erklären. Denn es gibt noch eine ganze Menge von Scheinargumenten, die diese sinnfreie Behauptung, unser Land wäre kein souveränder Staat, unterstreichen sollen. Und alle kann man, wie meine Beispiele hier, genauso in der Luft zerreißen. Aber so umfangreich wollte ich das Thema hier nicht behandeln.

Wenn man betrachtet, was ich in den letzten Jahren an Verschwörungstheorien gehört und gelesen habe, so könnte ich wahrscheinlich mehrere Folgen meines Podcasts füllen. Dazu habe ich aber weder die Muße, noch die Lust. Zuviele Diskussionen und sinnlose Auseinandersetzungen haben dazu geführt, dass ich sowohl das Interesse, als auch meine ursprüngliche Freude daran verloren habe. Es ist viel zu ernst geworden. Vielmehr grübele ich über die Auswirkungen nach. Meinem Verschwörer kann ich persönlich aus dem Weg gehen. Oder ich blockiere solche Gesprächsthemen. Ich habe mich oft gefragt, was es ihm bringt, diese Dinge in seinem Umfeld zu verbreiten. Welchen Zweck verfolgt er damit? Da bin ich bis heute ein wenig ratlos. Und ich bin nicht der einzige, der das ertragen muss. Ich habe im Grunde nichts dagegen, wenn er an schräge und absurde Ideen glaubt. Das kann er gern. Aber dann soll er es für sich behalten, oder sich mit Gleichgesinnten treffen und diese könnten dann untereinander tagelang darüber schwadronieren. Das wäre mir völlig egal. Was mich dagegen wütend macht, ist, dass er seine Kinder mit hineinzieht und sie bearbeitet. Heranwachsende, die sich nicht mal selbst gefunden haben, werden hier mit Dingen konfrontiert, die ihnen auf ihrem Lebensweg nichts bringen und keine große Hilfe sind. Desinformation ist sicherlich keine Lebensweisheit, geschweige denn ein sinnvolles Mittel zur Erziehung. Ich hoffe nur, dass sie eines Tages erkennen werden, was ihnen hier aufgetischt wird.

Wären es ausschließlich diese beiden hier ausführlich benannten Aluhutträger gewesen, mit denen ich mich beschäftigen musste, hätte ich es als Ärgernis abtun können. Beide haben sich nur in ihrer eigenen Welt bewegt, an der keiner mehr rütteln konnte. Diskussionen darüber waren sinnlos, weil sie von ihren Standpunkten keinen Millimeter mehr abrückten. Was ich jedoch in letzter Zeit erlebe, ist ein Deja Vu nach dem anderen. Seitdem die Medien das Thema Verschwörung für sich entdeckt haben, sind es nicht nur Leute wie der seltsame Reiskanzler Hildmann, Xavier Naidoo, oder Ken Jebsen, die ihren Müll öffentlich breittreten können, sondern auch einige in meinem Umkreis, die auf den Zug aufspringen und ihre angeblichen Zweifel nennen. Wirklich hinterfragen tun sie diese kaum, denn die einzigen seriösen Quellen dazu lehnen sie ab. Auch in anderen Ländern sieht es nicht viel besser aus. In den USA zum Beispiel hatte sich der Rechtspopulist Alex Jones einen Namen mit seinen kruden Theorien gemacht. Und das sehr öffentlichkeitswirksam. Immerhin hatte er auf Youtube mehr als 2,4 Millionen Anhänger, bis man irgendwann seinen Kanal sperrte.

Es vergeht kaum noch ein Tag, an dem ich nicht mit solchem Schwachsinn überschüttet werde. Im Rundfunk, im Internet, in Informationsportalen stolpere ich darüber. Tausende Menschen gehen derzeit in Deutschland auf die Straße, um gegen den diktatorischen und undemokratischen Staat, in dem sie leben, zu demonstrieren. Dieser schränke ihre Freiheiten ein und ihre freie Meinungsäußerung. Soweit habe ich das Prinzip auch verstanden. Auch wenn ich es nicht nachvollziehen kann. Nun kommt aber das kuriose bei der Sache. Diese Demonstrationen werden nicht etwa heimlich von einem im Untergrund tätigen Widerstand organisiert und spontan abgehalten, nein: Diese Menschen nutzen die demokratischen Grundrechte dieses undemokratischen Staates und melden ihre Demos ordnungsgemäß an. Diese werden am Ende großteils sogar genehmigt. Zusätzlich werden Staatsmittel aufgebracht, um ihnen dieses Grundrecht auch einzuräumen und zu sichern. In Form von Straßensperrungen, entsprechendem Schutz durch die Polizei und gerichtlichen Klagen, wenn solch ein Massenauflauf mal nicht genehmigt wurde. Auf diesen Versammlungen nutzen sie dann ein weiteres demokratischen Grundrecht, nämlich ihre Meinung ganz frei und öffentlich kund zu tun. Dabei prangern sie dann wiederum an, dass sie ihre Meinung nicht äußern dürfen und ihre Freiheiten eingeschränkt wären. Ab hier fehlte mir dann das logische und nachvollziehbare Verständnis dafür. Das ist nur verwirrend und absurd zugleich.

Und mein Ärger wird größer. Warum? Weil auch Leute damit konfrontiert werden, die diesen ganzen Schwurbel zum Teil schwer einordnen können. Weil diese auf Fährten gelockt werden, die zu nichts führen. Natürlich hat die weltweite Covid19 Pandemie ihren Anteil daran. Und das haben die Aluhüte recht erfolgreich ausgenutzt. Nur mit dem Unterschied, dass ihre alten Ideen einfach nur neu verpackt wurden. In andere Zusammenhänge gezwängt. Aber am Ende bleiben es die alten Theorien, die seit Ewigkeiten verbreitet werden. Ich selbst erkenne das, weil ich mich Jahre damit beschäftigt habe, andere leider nicht. Und diese Menschen tun mir einfach nur leid, weil sie darauf hineinfallen.

Mein Ärger darüber war sogar so groß, dass ich mich hingesetzt und den bereits genannten Song geschrieben habe. Das passiert mir selten. Ich hatte anfangs überlegt, meinen Text hübsch zu verpacken und hatte mir bereits einige Umschreibungen zurecht gelegt. Aber tatsächlich hatte ich nur eine einzige Botschaft zu verkünden: "Lasst mich endlich in Ruhe damit". Es nervt, es ist Zeitverschwendung und es verunsichert viele völlig unnötig. Hier war mir dann klar, dass ich dieses Thema nur direkt und plakativ verarbeiten musste. Das habe ich getan. Wer auf subtile und lyrische Musik steht, den werde ich vielleicht damit enttäuschen. Wer trotzdem reinhören möchte, der findet meinen Song "Deine Theorien" unter dem Projektnamen Tonfälscher auf allen bekannten Download- und Streamingportalen und in einem Video auf meinem Youtube-Kanal. Viel Spaß damit. PS: Einen Hinweis habe noch für all die Aluhüte, Schwurbler und die, die sich durch meinen Podcast, oder meinen Song angesprochen fühlen: Macht Euch bitte nicht die Mühe, entsprechende Kommentare zu hinterlassen, oder Euch öffentlich aufzuregen. Es ist vergebens. Erstens, weil ich so ziemlich jeden Blödsinn von Euch bereits gehört oder gelesen habe, inklusive aller Beleidigungen und zweitens, weil es mir schlichtweg egal ist. Nutzt Eure Zeit sinnvoll, kümmert Euch um Eure Familien und lasst mich in Ruhe! Alle anderen lade natürlich gern ein, mir Feedback zu geben.

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