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...oder wie ich unverhofft zu einem Weihnachtssong kam

Ich war lange, wenn man es genau nimmt, kein besonders großer Freund des Weihnachtsfestes. Zumindest nicht nach meiner Kindheit. Ich sprach es bereits auf diesem Podcast in einem anderen Zusammenhang an. Was mich vor allem daran nervte, waren die exzessiven Besuchsorgien. Wenn man es genau nimmt, begannen diese bereits in der Adventszeit. Die Highlights boten dann die Feiertage direkt. Jeder Großelternteil und andere Verwandte erwarteten unseren Besuch in ihren eigenen vier Wänden. Und so hetzte man während der Weihnachtsfeiertage von Termin zu Termin, von einem Essen zum nächsten. Nebenbei holte man andere Familienmitglieder mit dem Auto ab, damit auch diese den Termin wahrnehmen konnten.

Frank, hol doch mal den/die an dieser Stelle die passende Person einfügen ab. Es gab Tage, an denen man an einem Ort zu Mittag aß, am nächsten Kaffee und Kuchen bekam und beim übernächsten das Abendbrot. Sollten die Gespräche und der Austausch ein wenig länger andauern, schaute man bereits auf die Uhr und drängelte, endlich loszukommen. Ach, bleib doch noch ein wenig. Nee, tut mir leid, wir müssen weiter.... Am Abend, in den heimischen vier Wänden wieder angekommen, packte man dann schnell die Utensilien für den nächsten Tag zusammen und fiel wie ein Stein ins Bett. Eine ruhige und besinnliche Weihnachtszeit stellt man sich dann doch anders vor.

Im Vorfeld musste man sich genau überlegen, welches Geschenk angebracht war und sammelte krankhaft in überfüllten Läden und Kaufhäusern Dinge, die dann in buntes Papier gewickelt, übergeben wurden. Somit hatte man nicht nur den Stress an den Feiertagen selbst, sondern auch in den Wochen davor. Ich mochte das nie.

Ich gehe ungern in Menschenansammlungen und vermeide sie, wo ich nur kann. Gerade in den Vorweihnachtswochen war es daher für mich purer Streß und wahrlich kein Vergnügen, durch die Läden zu ziehen. Leichter fiel es bei Geschenken für die Kinder, da diese ihre Wunschzettel vorbereiteten. Bei den Erwachsenen tat man sich schwer. Obwohl man sich jährlich versprach, nächstes Jahr feiern wir ohne den obligatorischen Geschenketausch, kam es nie dazu. Nein, er wurde trotz Versprechen in gewisser Weise sogar erwartet. Dass die Kinder außen vor waren und ihre Wünsche großteils erfüllt bekamen, das war selbstverständlich. Ich erinnere mich gern an meine eigene Jugend. Die Vorfreude, den Baum schmücken, Geschenke auspacken. Natürlich war das wunderbar und aufregend. Als Kind.

Nach diesem jährlich wiederkehrenden Marathon durch die Verwandschaft, freute man sich, wenn alles vorbei war. Hatte man Glück, und die Feiertage fielen günstig, hatte man unter Umständen noch wenige Tage zum Erholen und Ausruhen. Wenn nicht, ging es kurz danach wieder mit der Arbeit weiter. Keine Frage, ja, man freute sich über die Geschenke und sah mit Vergnügen den beschenkten Kindern zu, welchen Spaß sie beim Auspacken hatten. Aber das wog oft nicht den Stresspegel aus, der sich bis dahin aufgebaut hatte.

Mit den Jahren verstarb ein ganzer Teil der Verwandtschaft und man selbst rückte immer weiter vor in die Alten-Liste. Mittlerweile, und das muß ich zugeben, wird es ruhiger um die Weihnachtszeit. Besuche stehen trotzdem noch an, aber irgendwie funktioniert die Organisation ein wenig besser, als früher. Konzentrierter. Mehrere Termine an einem Tag gibt es nicht mehr und die Geschenkeorganistation funktioniert dank Internet auch entspannter.

Ein Kirchenbesuch an Weihnachten kommt für mich nicht mehr in Frage. Irgendwie haben diese Veranstaltungen einen eher depressiven Charakter, mit dem ich nichts anfangen kann. Zudem finde ich es seltsam, warum nun gerade zur Weihnachtszeit die Kirchen rappevoll sind, wo sie ansonsten von vielen nicht mehr besucht werden. Auch ohne eine Andacht zu besuchen, kann ich mein Mitgefühl für andere zeigen, helfen, wo es gebraucht wird, oder wissen, wie wichtig Familie und Freunde sind. Dazu brauche ich keine deprimierende und schwermütige deutsche Weihnachtsmusik. Das ertrage ich irgendwie nicht. Was für den den einen feierlich oder andächtig ist, ist für mich eher langweilig und äußerst erdrückend.

Wobei es gerade die weihnachtliche Musik ist, die mich zu dieser Zeit aufbaut. Stille Nacht, heilige Nacht, Alle Jahre wieder, Es ist ein Ros entsprungen oder ähnliche Weihnachtslieder kommen dabei für mich nicht in Frage. Diese ziehen mich eher runter. Nein, tatsächlich bin ich ein großer Fan der amerikanischen Klassiker von Frank Sinatra, Dean Martin, Bing Crosby und anderer großartiger Künstler. Auch Songs der jüngeren populären Musik werden bei uns gespielt. Last Christmas von Wham muss nicht unbedingt sein, aber auch das ertrage ich eher, als die deprimierenden deutschen Traditionslieder. Ja ich weiß, es gibt auch fröhliche deutsche Weihnachtslieder, die man sich anhören könnte. Aber hier gibt es für mich wenig Auswahl und wenn, sind sie eher in der Kinderecke zu finden.Von Kinderliedern werde ich auch sonst beschallt und muss die nicht auch noch in der Weihnachtszeit hören. Und mal ehrlich, wenn ich mir so einige Versionen von Lasst uns froh und munter sein oder ähnlich angelegten Songs anschaue, dann stelle ich oft fest, dass die Arrangeure immer versuchen einen Hauch von Festlichkeit, oder was sie dafür halten, hinein zu bringen. Das klingt dann trotz fröhlichem Text wieder traurig und erdrückend. Also nichts, was mich aufbaut.

Im vorigen Jahr kam es zu einer eher ungewöhnlichen Situation bezüglich dieses Themas. Mein langjähriger Songtexter Torsten, schickte mir am 10. November Lyrics eines Weihnachtssongs. Er schrieb, dass er eine junge Sängerin aus Niedersachsen kennengelernt hätte, und es wäre doch schön, diese Zeilen zu vertonen und diese Dame singen zu lassen. Das ganze könne man dann ja auf Youtube, oder andere soziale Netzwerke verbreiten. So der Plan. Nun hatte ich genau in diesen Tagen wenig Zeit, mich damit zu befassen, aber ich behielt es im Auge. Einige Zweifel überfielen mich, ob es sich zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch lohnt, so etwas zu beginnen. Ein paar Monate vorher, wäre diese Idee sicherlich besser umzusetzen gewesen. Aber wenige Wochen vor dem ersten Advent? Das schien mir sehr ambitioniert. Aber sei es drum, dachte ich. Irgendwie hatte ich Lust dazu. Wenn mir nichts dazu einfiele, wäre es egal und wenn doch, ist es nett auch mal ein Weihnachtslied komponiert zu haben. Selbst wäre ich wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen.

Kurz vor meinen freien Tagen, setzte ich mich jeweils am Abend ans Klavier, klimperte ein wenig und probierte einiges aus. Bis mir die passende Idee kam. Es funktionierte. Sehr gut sogar. Am 17. November baute ich auf die Schnelle ein kleines vorläufiges Arrangement drumherum und schickte es Torsten. Ihm gefiel es. Um schnell voran zu kommen arbeitete ich am nächsten Tag bis in die Nacht, um eine vorläufige Demoversion zu erstellen, mit der die Sängerin etwas anfangen konnte. Ich änderte noch einige kleine Textstellen und am 19. November hatten wir unseren Ablauf und unser grobes Arrangement. Nebenbei schaute ich auf Möglichkeiten, das Lied offiziell herauszubringen. Nicht nur in den Netzwerken. Allen Beteiligten, einschließlich mir gefiel der Song außerordentlich gut, dass wir beschlossen, eine echte Veröffentlichung anzustreben. Das erhöhte zwar den Druck, aber viel Zeit hatten wir eh nicht. Dann könnten wir es ja auch gleich richtig durchziehen. Das taten wir. Ich schlug mir die halben Nächte der nächsten Tage um die Ohren, um nicht nur den Song fertig zu stellen, sondern kümmerte mich auch um den Papierkram und alle weiteren nötigen Arbeitsschritte, inklusive des Coverentwurfs. Nur eine Woche später war es dann soweit. Die Single mit drei Versionen des Weihnachtssongs "Der goldene Engel" von Sabrina konnte weltweit starten.

Nachdem der Song alle gängigen Download- und Streamingportale erreicht hatte, machte ich drei Kreuze. Ich schwor mir, solch einem Stress setze ich mich in Zukunft nicht mehr aus. Dazu fehlt mir die Kraft. Aber wir waren erleichtert. Der Song wurde angenommen, gekauft und gestreamt. Darüber freuten wir uns.

Der goldene Engel aus dem vorigen Jahr sollte dann wider Erwarten keine Ausnahme bleiben. Bereits im Sommer schickte mir Torsten einen Text mit einem eher fröhlichen Weihnachtssong. Ich nahm ihn zur Kenntnis und schob ihn zunächst zur Seite. Irgendwie war ich zu diesem Zeitpunkt moralisch noch nicht darauf eingestellt. Bei über 25 Grad Aussentemperatur, dem Genießen der Sonne und der langen Abende, kommt bei mir noch keine vorweihnachtliche Stimmung auf. Ende Oktober druckte ich mir den Text aus und legte ihn mir präsent aufs Piano. Ich hoffte, dass ich die Zeit finden würde, mich damit zu beschäftigen. Ich steckte gerade in der Endphase für die Veröffentlichung einer neuen CD meines Bandprojektes The Maze. In den ersten Novembertagen experimentierte ich ein wenig und schickte meine Ergebnisse an Torsten. Da ich den selben Fehler machte, wie die von mir genannten Arrangeure, schmalzte der Song nur so dahin. Getragen und schwermütig. Nee, meinte Torsten, mach alles schneller und fröhlicher. Ich setzte mich wieder hin und die dritte Idee begeisterte. Nun brauchte ich ein wenig, um alles in Einklang zu bringen. Als die Demoversion soweit fertig war, schickten wir es zu unserer niedersächsischen Sängerin. Entgegen unseren Erwartungen konnte sie damit nicht viel anfangen. Ich hatte den Song im Stil der 50er/60er Jahre angelegt, gespielt von einer kleinen Swing-Jazzkapelle. Ihr war diese Art von Musik nicht geläufig. Das Lied war ihr zu schnell, die damals typische Instrumentierung gefiel ihr nicht und sowieso, war alles in einer falschen Tonart. Der tiefste Ton lag zwar höher, als im Song des vorigen Jahres, aber wir verstanden: Sie möchte diesen Song nicht singen. Damit sich unser bisheriger Aufwand trotzdem lohnte, beschlossen wir, dass nunmehr ich selbst den Song einsingen werde. In der darauf folgenden Woche tat ich dies. Einen Namen bekam unser Lied: "Oh, Weihnachtszeit". Da die meisten von mir bevorzugten Interpretennamen bereits vergeben waren, veröffentlichten wir den Song unter dem Pseudonym "Frankie & Die Schnee-Engel". Etwas passenderes ist mir leider nicht eingefallen. Nachdem die Mischung fertig war, schickte ich unser Weihnachtslied zu unserem Vertriebspartner, damit dieses der Welt zugänglich gemacht wird. So kam ich dazu, einen Weihnachtssong zu veröffentlichen.

Nun steht das nächste Weihnachtsfest vor der Tür. Alle sind bereits aufgeregt, die Wünsche benannt, unsere Strassen-Nachbarn haben wieder einmal ihre Vorgärten mit allerlei Leuchtkram vollgestellt und in gewisser Weise freue ich mich auch darauf. In diesem Jahr wird es entspannter, denn zum ersten Mal seit vielen Jahren feiern wir das Fest ausschließlich bei uns zu Haus. Wir werden diesmal die Gastgeber sein. ..

Ich wünsche allen Lesern und Zuhörern ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest, wenig Stress, viel Liebe und natürlich einen guten Rutsch in das Neue Jahr.