Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Ich weiß nicht, ob es an mir liegt, ob es meine Erfahrungen sind, oder ich eine untypische Denkweise pflege: Ich stelle immer häufiger fest, dass meine Feindseligkeit gegenüber Schnäppchen- und günstigen Tiefstpreisen immer mehr wächst. Nicht weil es sie gibt und sie sicherlich ihre Berechtigung haben, sondern weil es Züge annimmt, die nicht mehr nachvollziehbar sind und mit Sparen letztendlich nichts mehr zu tun haben. Zudem greift diese Schnäppchenmentalität in unser aller Leben ein, dass ich mir kaum ausmalen möchte, was uns die Zukunft bringt.

KAUF MICH!“ Wer mich buchstäblich anschreit oder meint, mir angebliche Tiefst- und Schnäppchenpreise präsentieren zu müssen, der wird von mir grundsätzlich ignoriert. Was zudem nervt, sind Angebote mit gesenktem Preis und einer dicken Angabe eines „vorher“ x-fachen, jedoch durchgestrichenen Betrages. Besonders kurios wird es, wenn dieser "Vorher-Preis" in diversen Publikationen und Werbebroschüren des gleichen Anbieters immer ein anderer ist. Es mag sein, dass dieser psychologische Versuch bei einigen Leuten tatsächlich noch fruchtet, aber er wird so inflationär genutzt, dass ich hiervon eher die Finger lasse.

Wertigkeit, Qualität, Inhalt und Herkunft. Das sind Merkmale, auf die ich mich konzentriere, sofern ich einen Kaufwunsch hege. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Preissuchmaschinen nutze ich nicht, da ich sie für ziemlich überflüssig und manipulativ halte. Somit ergibt sich in meinen Recherchen ein preisliches Mittelmaß, an dem ich mich orientiere und danach die Händler unter die Lupe nehme. Selten bin ich mit dieser Methode schlecht gefahren.

Für eine Handelsware, die physisch verfügbar ist, ist es augenscheinlich leicht, ein angemessenes, seriöses und reales Angebot zu finden. Sofern man sich nicht gänzlich vom Preis steuern lässt. Wobei ich auch hier einige Bedenken habe. Aber dazu später. Bei virtuellen Gütern, oder Dienstleistungen sieht es da schon anders aus. Da diese Thematik vielschichtig ist, werde ich es unterteilen. Den ersten Teil widme ich einem Beispiel aus dem Dienstleistungssektor, der

Reisebranche

Was würden Sie davon halten, wenn Ihnen der Fachhandel ein Angebot für einen hochmodernen Computer für sage und schreibe 95,00€ unterbreitet? Jeder, der sich ansatzweise mit dem Computerkauf beschäftigt hat, würde wahrscheinlich stutzig werden. Würde Sie dieses Angebot tatsächlich interessieren, erführen Sie, dass Sie nur noch Marginalien, wie Mainboard, Festplatten, Anschlüsse und Arbeitsspeicher dazu kaufen müssten, um diesen Computer überhaupt zum Laufen zu bringen. Der Preis wäre jeden letzten Mittwoch im Monat zwischen 10.00Uhr bis 13.30Uhr gültig. Das Betriebssystem ist in dem Angebot jedoch enthalten. Wow! Sie wären verwirrt und ihre Schlussfolgerung wäre: sich umzudrehen und zu gehen, da Sie solche Angebote für unseriös halten.

Interessanterweise agiert die Reisebranche heutzutage ähnlich. Vor allem bei Pauschalreisen. Und? Was schließen Sie daraus? Genau, die Leute greifen zu! Angebote diverser Reiseunternehmen starten in der Werbung mit einem Preis, der unfassbar entgegenkommend scheint. Dabei variieren die Offerten, je nach Anbieter und man glaubt in eine Preisschlacht zu geraten. Einer unterbietet den anderen. Schaut man sich die jeweiligen Details an, bemerkt man schnell, dass man das äußerst klein geschriebene „ab“ vor dem Preis überlesen hat. Somit relativieren sich diese Angebote, da der Preis nur in der Neben-Nebensaison gilt. Also dann, wenn Otto-Normalverbraucher im seltensten Fall seine Reisen antritt. Rechtlich mag dieser Kunstgriff mit dem Wörtchen "ab" korrekt sein. Aber der normal denkende Mensch assoziiert hier eher einen möglichen Mehrwert, der im Aufpreis enthalten sein kann. Ein Autokauf "ab" wäre eine Grundausführung. Jeder höhere Preis beinhaltet Zusatzleistungen, wie mehr Komfort, mehr Ausstattung, oder Sonderwünsche. Und nicht, wie es Reiseunternehmen handhaben, ein Gefährt ohne Lenkrad und Bremse als Basis.

Nehmen wir an, bei dieser Urlaubsbuchung handelt es sich um eine Fernreise mit Flug. Schnell ist man im Grundpreis beim Doppelten, sofern reguläre Reisezeiten gewünscht werden. Möchte man gar noch Verpflegung oder einen Transfer zum gewünschten Urlaubsort ab Flughafen, verteuert sich der Endpreis nochmals. Habe ich mein Arrangement getroffen, heißt das noch immer nicht, dass ich tatsächlich weiß, was mich der Spaß kostet. Denn unverschämterweise wird bei der eigentlichen Bezahlung noch zugeschlagen. Ich zahle meine Reisen hauptsächlich mit dem weltweiten Zahlungsmittel Nr.1, der Kreditkarte. Für den Großteil der Weltbevölkerung eine Selbstverständlichkeit. Selbst für Discounter, wie Lidl und Aldi, bei denen man mittlerweile anstandslos damit bezahlen kann. Für Reiseunternehmen ein Grund, hier einen Aufpreis, von meist einem Prozent der Summe unberechtigt zu kassieren.

Begründet werden solche Mehrkosten dann mit den „hohen“ Gebühren, die dem Unternehmen dafür in Rechnung gestellt werden. Sorry, aber an dieser Stelle kann ich nur mein Unverständnis ausdrücken. Denn wer sich mit dem Zahlungsverkehr ein wenig auseinandergesetzt hat, wird schnell bemerken, wie scheinheilig diese Aussage ist. Denn außer Frage steht zunächst, dass der Händler oder das Unternehmen sich bewusst für dieses Zahlungsmittel entschieden hat. Hätte er kein Interesse daran, verzichtet er. Dass er es letztendlich doch tut, liegt an den vielen Vorteilen dieser Zahlungsweise, die vor allem ihm zugute kommen. Im Gegensatz zu anderen Zahlungsarten, bekommt der Unternehmer eine Zahlungsgarantie, sobald eine sogenannte Autorisierung startet. Hierbei wird in Echtzeit geprüft, ob die Kreditkarte existent ist, ob Sperrungen vorliegen und der angefragte Betrag zur Verfügung steht. Diese Anfrage wird im Autorisierungssystem des Händlers blockiert, so dass der eigentliche Zahlungsvorgang ausgelöst werden kann. Das heißt, er weiß, dass diese Zahlung eingeht und braucht nur die Gutschrift abwarten. Ohne weiteres Zutun. Andere Zahlungswege kosten auch Geld. Auch wenn die Transaktionskosten dort niedriger liegen, als bei der Kreditkarte, gibt es genügend Nebenkosten, die einzuplanen sind. Technik, Software, Abrechnungssysteme und vor allem Personalkosten, die den korrekten Zahlungseingang kontrollieren, überwachen und verwalten. Somit schrumpft der Mehrwert der geringeren Transaktionsgebühr gewaltig. Ich bezweifel sogar, dass diese Gesamtkosten am Ende tatsächlich geringer ausfallen, als bei Kreditkartenzahlungen.

Unter Umständen hat der geneigte Reisewillige bei einem Online-Reisevermittler, wie Opodo, Check24, Ab in den Urlaub oder Flüge.de gebucht, um: natürlich zu sparen! Hier wird abschließend die Vermittlergebühr fällig. Wer beim Buchen nicht aufpasst, hat sogar noch eine Reiseversicherung abgeschlossen, da er ein Häkchen übersehen hat. Gut! Somit haben wir zunächst unsere Reise gebucht und bezahlt. War es das?

Nein! Nicht unbedingt. Da sich die Sparfüchse unter uns das günstigste Angebot herausgefischt haben, fliegen sie am Ende mit einer Billig-Airline. Abgesehen vom minimalen Service und dem geringen (eigenem) Platzangebot in solchen Maschinen, kommen hier bei vielen Anbietern zusätzliche Kosten auf. Glücklicherweise haben wir nach etlichen Gerichtsurteilen wieder Klarheit, welcher Endpreis für die reine Beförderung auf uns zukommt, also inklusive Servicegebühren, Kerosinaufschlägen, oder sonstigen absonderlichen Einfällen der Fluggesellschaften. Darin nicht enthalten sind jedoch unter Umständen: die Gepäckbeförderung, eine Sitzplatzreservierung oder eine erwartete Mahlzeit. Wenn für das Köfferchen noch extra zwischen 20,00 € bis 100,00 €, für die Sitzplatzreservierung 10,00 € bis 15,00 € und für ne lumpige Currywurst im Flugzeug 10,00 € pro Person veranschlagt wird, wird die Urlaubskasse um einiges leichter.

Mein Fazit: Mit Sparen oder tatsächlich günstigen Angeboten hat dieses Vorgehen kaum etwas zu tun. Auch wenn es zunächst den Anschein hat. Es verwirrt mehr, als dass es in der Entscheidungsfindung hilft. Am Ende zahle ich immer einen realen Gegenwert. Alles andere wäre wirtschaftliche Unvernunft. Auf Seite der Unternehmen wünsche ich mir Klarheit und Ehrlichkeit von Anfang an. Dann könnten sie sich im Vorfeld diese absurde Augenwischerei sparen und sagen: „Jupp – so ist der Preis, das kostet´s“. Das dies nicht so ist, erschließt sich für mich nicht.

Sonderangebote und vergünstigte Reiseangebote mag es durchaus auch heute noch geben. Gerade im Last-Minute-Bereich. Sollte jedoch diese seltsame Preispolitik weiterhin anhalten, erkennt man sie nicht. Schade eigentlich!

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

Zum Seitenanfang