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In meinem Umkreis häufen sich derzeit Fälle extremen Denkausfalls. Wieder einmal ist es der Schnäppchenjäger, der Preishitsammler und Einkaufsamateur, der seine Unfähigkeit unter Beweis stellt. Was muss ich mir alles anhören? Ein Gejammere, wie er doch über den Tisch gezogen wurde, warum gerade er sein sauer verdientes Geld aus dem Fenster werfen müsse und wie schlecht doch die Welt ist. Da ist die Rede von Recht und Gesetz, von Anzeigen gegen Händler und Banken, und…und…und…

Worum geht es geht überhaupt? Es geht um den modebewussten Markenmodeträger. Was an sich nicht verwerflich ist, da jeder hier seine Vorlieben hat. Ich trage auch gern Kleidung von Abercrombie & Fitch und weiß, was diese wert ist und was sie kostet. Ich spezialisiere meine Aussage: Es geht um den Garderobenträger, der Markenartikel zwar kaufen und anziehen, jedoch nicht den Preis dafür bezahlen möchte.

Für diesen Fall halten normalerweise Hersteller und Handel diverse Möglichkeiten vor, um dem preisbewussten Kunden entgegen zu kommen. Outletcenter, Direkt- und Fabrikverkäufe, eBay oder Aktionen des Einzelhandels bieten Möglichkeiten, abgelaufene Saisonartikel, B-Ware oder Artikel aus Überproduktionen für einen günstigen Taler zu ergattern. Aber der Sorte von Menschen, von denen ich hier berichte, reicht das nicht. Diese wollen nicht einfach nur sparen. Sie wollen diese Waren billig, nicht günstig. Und an dieser Stelle beginnt der Irrsinn.

Um sich nicht auf den beschwerlichen Weg in den Handel machen zu müssen, um nachher nur 15 bis 20 Prozent des Einkaufspreises einsparen zu können, bewegt sich der Homo Billigus ausschließlich auf der Tastatur seines Computers. Im Internet. Tante Google weiß Bescheid, wo die Schnäppchen zu finden sind. Hui, die Freude ist groß: 50 bis 80 Prozent Ersparnis! Na, das ist doch was! Klick. Immer den Preis im Blick, dass da auch nichts hinzu addiert wird. Klick. Meine Größe! Klick. Ab in den Einkaufswagen. Klick. Preis bleibt! Kreditkarte gezückt… Fertig! So einfach, so schnell, soooo billig! Jetzt heißt es nur noch warten, bis der Postbote vor der Tür steht.

Jetzt gibt es mehrere Szenarien, die folgen könnten. Die Unwahrscheinlichste ist, dass ein deutscher oder europäischer Anbieter dieses Angebot unterbreitet. Nicht ausgeschlossen, aber selten. Zweite Möglichkeit ist, dass man einem Betrüger aufsitzt, der auf unlautere Art und Weise an mein Geld kommen wollte. Dieses Szenario kommt öfter vor, ist aber noch recht unbedenklich, da ich mein gezahltes Geld wegen des klaren Betruges relativ einfach zurückfordern kann, sofern eine Kreditkartenzahlung stattgefunden hat. Die dritte Variante, die häufigste, ist auch die Wahrscheinlichste. Der Händler erfüllt seine Aufgabe und sendet seine, meist gefälschte und minderwertige „Markenware“ aus seinem Heimatland in Zentralasien oder China. Dieses Paket kann dann durchaus den Auftraggeber erreichen. Muss sie aber nicht, wenn weltweite Markenrechte mit dieser Einfuhr verletzt wurden. Dann wird die Sendung vom Zoll vernichtet und unter Umständen eine Anzeige gegen den Empfänger gestellt.

An dieser Stelle geht dann der große Aufschrei los. Wie man betrogen wurde, dass das NIRGENDS stand, dass hier etwas aus China geschickt wird, dass die Internetseite schließlich auf deutsch war, dass man sofort sein Geld wieder zurückhaben möchte…. Stopp! Wieso? Du hast Ware bestellt, die dir zugestellt wurde! Nur, weil du anderes erwartet hast, ist das wohl kaum eine rechtliche Handhabe, das Geld zurück zu holen. Schick es an den Händler zurück, wegen Nichtgefallen und bitte ihn darum, den Wert zu erstatten. Sofern der Zoll die Ware bereits vernichtet hat…dann hat man halt Lehrgeld bezahlt. Wie ich sowas sagen nur könne, werde ich oft gefragt. Schließlich ist das hier Betrug, Vorspiegelung falscher Tatsachen und Abzocke. Irgendwie schon, aber nicht ganz. Hast du, frage ich nach , im Vorfeld recherchiert, warum die Ware so günstig angeboten wurde? Wenn ein Preisnachlass von 50 bis 80 Prozent gegenüber der Neuware besteht, könnte das durchaus Gründe haben. Gut, andere Frage, wie gut hast du dich über den auftretenden Händler informiert? Hast Du Erfahrungsberichte von anderen Käufern gelesen? Hat dir jemand diese Seite empfohlen? Hast du geschaut, in welchem Land die Internetseite des Shops registriert ist? (für alle Mitleser: www.whois.com wäre der geeignete Ansatz)

Die Antworten darauf waren dann meist ähnlich. Die Seiten sahen soooo echt aus, der Preis war echt spitze, man wäre überhaupt nicht misstrauisch geworden und Gedanken darüber, dass hier irgendetwas nicht stimmt, wären wohl auch nicht aufgekommen. Gut, entgegne ich, hab ich mir gedacht. Selbst schuld…

Mal ehrlich, wie blöd kann man sein? Das alles waren Leute, die jeder Mail misstrauisch entgegen blicken, die keinem Bankberater oder Versicherungsmakler trauen, die im normalen Leben rational denken! Genau sie geben irgendwelchen dahergelaufenen Firmen ihre Bank- oder Kreditkartendaten. Irgendwie erinnert mich dieses Prozedere an Kerle, denen sofort das Blut aus dem Gehirn in andere Regionen fließt, sobald sie eine nackte Frau sehen. Aber vielleicht gibt es ja auch beim preisfixiertem Kauf irgendwelche chemischen Prozesse, die dem Gehirn das Denkvermögen entziehen und erst nach der Bezahlung wieder einsetzen lässt. Ich weiß es nicht. Vielleicht sollte es mal einen VHS-Kurs geben: Wie kaufe ich mit Bedacht im Internet ein....

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