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Dass die Amerikaner, was zumindest die Übertreibung in vielen Bereichen des täglichen Lebens angeht, eins an der Waffel haben und einen, ich nenne es mal Größenwahn zelebrieren, daran hat man sich gewöhnt. Dass in den letzten Jahren regelmäßig hell erleuchtete Trucks einer Softgetränkefirma in der Vorweihnachtszeit ihre Abgase in verschiedenen deutschen Städten hinterlassen, kennen wir aus der Werbung. Dass sich nun aber auch der deutsche Durchschnittsbürger dazu genötigt fühlt, der Strassenbeleuchtung Konkurrenz zu machen, ist ein Trend, der in den letzten Jahren an Ausmaß gewonnen hat! Meine Familie und ich belächeln schon seit ein paar Jahren einen Nachbarn, der jährlich versucht, sich selbst zu übertrumpfen.

Angefangen hatte es mit einigen dezenten Lichterketten, die an Haus und Tanne angebracht wurden. Mittlerweile werden auch das Dach, die Hecke, jegliches Gestrüpp und womöglich noch das eigene Klo mit Leuchtschriften und allerlei bunten Glühbirnen ausgestattet, so dass ich mich am Abend locker vor diesem Grundstück niedersetzen und sonnen könnte. Nun könnte man meinen, dass dieser Herr zuviele amerikanische Weihnachtsfilme gesehen hat und eine Ausnahme ist. Leider ist dies nicht der Fall. Mich hatte bereits schon vor Jahren gestört, wenn irgendwelche Mitbürger ihre Weihnachtssterne oder sonstigen mutmaßlich dekorativen Motive in verschiedenen Farben flackern und blinken lassen. Aber mittlerweile ist dieser Leuchtschmuck, zumindest in vereinzelter Form eine Augenweide. Nein, der Trend geht hin zum Gigantomanismus. Man soll gar nicht mehr erfassen können, ob es sich um eine Dekoration oder eher eine Leuchtquelle für Filmaufnahmen handelt. Wenn ich durch meine Stadt fahre, kann ich in manchen Ecken kaum mehr den Tag von der Nacht unterscheiden. Wie sich allein die Stromkonzerne darüber freuen dürften! Anscheinend geht es auch hier allein um die Konkurrenz gegen den eigenen Nachbarn. “Was, der hat 15 Lichterketten? – Dann werde ich wohl 20 aufhängen müssen!” Ob das dann wirklich schön ist, liegt natürlich allein im Auge des Betrachters. Dass hier jedoch eine gewisse Stimmung aufkommt, bezweifle ich ein wenig. Denn dieses Lichtergewirr hat wohl nichts mehr damit zu tun. Wenn in den Wohnsiedlungen dieses Landes solch ein Spektakel flächendeckend Einzug gehalten hat, sollten sich die Gemeinden und Städte ernsthaft überlegen, ob man nicht eingreift und die Strassenbeleuchtungen im November und Dezember einfach auslässt. Das spart ungemein und entlastet die Haushaltskassen. Im übrigen: ich habe in meinem Fenster einen alten Schwippbogen stehen…