Liebe Leserinnen und Leser, das Ihnen nun vorliegende Dokument beschreibt meine Erlebnisse und Erfahrungen eines Arbeitsprozesses, auf die ich im Nachhinein gesehen nicht verzichten möchte. Meine Ausführungen sind persönlicher Natur und spiegeln nicht bedingt die Meinungen und Auffassungen der hier beschriebenen Personen, meiner Mitstreiter wider. Dieser Weg, den ich mit einer hier beschriebenen Arbeit, einer Aufgabe beschritt, war für mich ein neuer und ungewohnter. Es schien anfangs ein Weg zu sein, der allein über Erfolg und Scheitern entscheiden sollte. Das gesetzte Ziel jedoch rückte mit jedem Ergebnis meines Handelns Stück für Stück in den Hintergrund. Die Aneignung von Kenntnissen und Fähigkeiten, eine Veränderung des eigenen Blickwinkels und Beharrlichkeit traten in das Zentrum meiner Wahrnehmung und wurden so zu meinen ständigen Begleitern. Oft verknüpft mit vielen Emotionen, der ständigen Konfrontation mit der menschlichen Psyche und der Herausforderung an das eigene Ich.

... und würde mich nicht als ein solcher bezeichnen. Ich bin eher ein Beobachter, oder Tagebuch-Schreiber. Im Gegensatz zu anderen künstlerischen Berufen, die mich faszinierten, wie der Schauspielerei, der Malerei oder der eines Musikschaffenden, hatte ich mich selten um das Schreiben bemüht. Ferner lag mir etwas daran, autobiografisches zu Papier zu bringen. Ich fühlte mich dafür zu jung und ungeeignet. Eine Großtante von mir, die vor Jahren starb, hätte dies tun sollen. In meiner Kindheit erzählte sie mir und der Familie stundenlang spannende Erlebnisse aus alten Zeiten, was uns fesselte. Familienmitglieder, die ich nie kennenlernte, wurden in diesen Erzählungen lebendig, so dass man das Gefühl bekam mit ihnen eine Ewigkeit verbracht zu haben. Einige Geschehnisse waren so detailliert, dass man in gewisser Weise selbst dabei war. Ewig konnte ich ihr zuhören, zunehmend verbunden mit der Bitte um mehr. Diese Geschichten hätten den Wert besessen, ein Buch zu schreiben. Aber meine Erlebnisse?

Dezember. Das Jahr 2003 verlief durchschnittlich. Einige Familiensituationen und der Tod meiner Großmutter führten dazu, dass ich diese Zeit nicht gänzlich unter den Teppich kehrte und dieses Jahr vollends vergessen konnte. Es wurde geliebt, gelebt, gestritten, versöhnt, gefeiert, getrauert, verändert und einiges mehr. Ein relativ normales Jahr, ohne besondere Vorkommnisse, die einem vordergründig in der Erinnerung blieben.

Die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester eines jeden Jahres macht einige Menschen mürbe. Mich eingeschlossen. Nicht, dass ich deprimiert bin und kurz davor, mir einen Strick zu nehmen, nein es liegt an etwas anderem. Das Fest an sich mag ich nicht besonders. Innerlich verbinde ich diese Tage stets mit Stress, zwanghaften Besuchsorgien, einer aufgesetzten Besonnenheit und der jährlich stattfindenden Diskussion, ob man nun in eine Kirche gehen wird oder nicht.

Vom Musizieren war bald keine Rede mehr. Im Grunde, sehr bedauerlich. Einen kleinen Aufschwung gab es kurzzeitig 2004. Gegen Ende diesen Jahres bat mich ein Bekannter zu seinem 10-jährigen Bandjubiläum live zu spielen. Da diese Band, dieses Projekt sich als Akustik-Duo präsentierte, versuchten wir, drei unserer eigenen Songs ohne technischen Schnickschnack, mit einem Klavier und einigen Perkussionsinstrumenten umzusetzen. Das Ergebnis war hörbar. Nur wenige Wochen vor dem Termin, sagte man diesen ab. Es gab wohl Schwierigkeiten innerhalb des Projektes und mit der Umsetzung der Feierlichkeiten. Der Termin wurde verschoben in das Folgejahr. Zu diesem neuen Termin konnte ich bedauerlicherweise nicht anwesend sein. Kurz danach löste sich diese Band auf. Oder wie man heutzutage so schön sagt, das Projekt „pausiert“.

Berlin ist ziemlich groß und ich liebe es. Ich kann es mir nicht vorstellen, in einer anderen Stadt, einem anderen Bundesland oder in einer anderen Gegend zu leben. Abgesehen von den Freunden oder meiner Familie, die natürlich einen Wegzug ebenfalls beeinflussen würden, weiß ich: Berlin gehört zu mir und ich gehöre zu Berlin. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Durch verschiedene Urlaubsreisen habe ich Landstriche auf dieser Welt kennengelernt, wo ich dachte „Hier könntest du es aushalten und leben.„ Aber ich denke, dass kaum drei Wochen vergehen würden , dass ich mich zurücksehnen würde nach dieser Stadt, dieser Hektik und seinen Einwohnern, meiner Heimat. Selbst London oder New York würden mich hier nicht herausreißen können. Obwohl ich beide Städte mag, würde ich meinen Lebensmittelpunkt nicht eintauschen wollen.

Interview mit J., Oktober 2004:

Die Idee: „Das ist lange her. 1982, aus einem laufenden Musikprojekt mit einem Kollegen, was leider nach zwei Jahren scheiterte, ist eine Figur entstanden, die das Potenzial zu einem Musical hat. Damals wusste ich es noch nicht, es gab nur eine Figur, eine Story, eine abgeschlossene Geschichte, wo ich allerdings erst nach ungefähr 15 Jahren in 2002, 2003 festgestellt habe, dass in dieser Geschichte, dieser Figur eine ganze, eine größere Geschichte drinsteckt, nämlich das Musical.

J. meinte es ernst. Das wurde mir mit der Zeit klar. In unzähligen Telefonaten sprachen wir über unser Projekt. An dem beschriebenen Abend in dem amerikanischen Restaurant zeigte er mir vorab einige Schriftstücke. Eine Art von rotem Faden. In diesem waren Teile seiner ehemaligen Songs und einige Zusatzideen niedergeschrieben, die bis dato noch keinen direkten Hinweis auf eine Geschichte hergaben. Mir fiel mit der Zeit auf, dass er sich im Grunde mit dem Theater nie analytisch auseinandergesetzt hatte. Weder seine Ausführungen zur Musik, noch die des geplanten Bühnenstückes ließen darauf schließen.

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