Liebe Leserinnen und Leser, das Ihnen nun vorliegende Dokument beschreibt meine Erlebnisse und Erfahrungen eines Arbeitsprozesses, auf die ich im Nachhinein gesehen nicht verzichten möchte. Meine Ausführungen sind persönlicher Natur und spiegeln nicht bedingt die Meinungen und Auffassungen der hier beschriebenen Personen, meiner Mitstreiter wider. Dieser Weg, den ich mit einer hier beschriebenen Arbeit, einer Aufgabe beschritt, war für mich ein neuer und ungewohnter. Es schien anfangs ein Weg zu sein, der allein über Erfolg und Scheitern entscheiden sollte. Das gesetzte Ziel jedoch rückte mit jedem Ergebnis meines Handelns Stück für Stück in den Hintergrund. Die Aneignung von Kenntnissen und Fähigkeiten, eine Veränderung des eigenen Blickwinkels und Beharrlichkeit traten in das Zentrum meiner Wahrnehmung und wurden so zu meinen ständigen Begleitern. Oft verknüpft mit vielen Emotionen, der ständigen Konfrontation mit der menschlichen Psyche und der Herausforderung an das eigene Ich.

Zunächst muss ich Sie aber enttäuschen. In der Beschreibung meines kleinen Werkes ist die Rede davon, dass Sie erfahren werden, wie man ein Musical schreibt. Vielleicht war das ein erster Ansatz, oder besser gesagt ein erster Gedanke mit diesen Aufzeichnungen zu beginnen. Von einer Anleitung oder einem Nachschlagewerk sind diese Zeilen hingegen weit entfernt. Meine Intentionen zu diesem Werk gingen irgendwann nicht mehr in diese Richtung. Sie erfahren vielmehr, wie sich eine Gruppe von Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnte, an ein Projekt wagt, das jenseits ihrer Erfahrungen und teilweise ihres Könnens lag. Ich würde sogar behaupten, es war ein Freizeitprojekt, dass im Grunde seines Gedankens Professionalität vorausgesetzt hätte.

Welche Gemeinsamkeiten haben ein Bankangestellter, ein Verkaufsmanager, ein gelernter Koch, mittlerweile Grafiker, ein leitender Angestellter eines Logistikunternehmens, ein Webadministrator, ein Event-Manager und ein Student? Im Grunde gibt es zu den beruflichen Inhalten und Fähigkeiten kaum Parallelen. Aber genau das sind die Menschen die sich anfangs zusammen gefunden haben, um ein Musical zu entwickeln und die sich auf diesem Wege, abgesehen von ein paar wenigen Ausnahmen aus unterschiedlichsten Gründen wieder trennten.

Unzählige Male kamen mir Zweifel an diesem Projekt. Ich stellte Fragen, die ich und andere mir nur zum Teil beantworten konnten. Das wird in einigen Kapiteln deutlich. Auch wenn die beschriebenen ungeklärten Probleme im Nachhinein einen Lösungsweg fanden, haben sie in den jeweiligen Abschnitten des Buches zeitlichen Bestand, ohne nachträgliche Änderungen oder Zusätze, die ich weder hinzufügen oder löschen wollte.

Ich behauptete stets, nicht kreativ schreiben zu können. Dieses Buch und das folgend beschriebene Musicalprojekt haben mir bewiesen, dass ein starker Wille und ein gewisses Maß an Ausdauer ein Weg sein kann, etwas zu erreichen. Vor diesen Aufzeichnungen hatte ich nie in Betracht gezogen, persönliches der Öffentlichkeit preis zu geben. Aber gelegentlich verselbständigen sich Wege und ein ursprünglich gesetztes Ziel kann sich anders darstellen. Diese Aufzeichnung ist eine der Konsequenzen daraus.

Die folgenden Seiten besitzen ohne Zweifel einen Hauch von Vorsatz. Das kann ich nun im Nachhinein für mich feststellen. Gleichwohl war es nicht von mir geplant. Ich wollte lediglich nicht vergessen, welcher schwierige Weg mich in das hier beschriebene Vorhaben begleitete. Als Jugendlicher führte ich Tagebuch. Ich weiß bis heute nicht, was mich dazu antrieb. Jetzt, nach mehr als 20 Jahren ist es wunderbar darin zu blättern und es macht mir viel Freude alte Erinnerungen wach zu halten und wieder herzustellen. Vermutlich verfolgten mich die in diesem kleinen Werk beschriebenen Situationen in einem solchen Maße, dass es eine Art von Therapie sein wird oder eine Tagebuchaufzeichnung, in der ich zu späterer Zeit blättern kann. Unterteilt in fast chronologischen Zeitabschnitten, kleinen Anekdoten und Themen. [*]

Hier und heute, wo ich diese Zeilen gerade nierderschreibe, wissen nur wenige davon. Wir befinden uns derzeit im Frühjahr 2006. Ich sitze auf der Terrasse meiner verstorbenen Großmutter, schaue auf den vor mir liegenden Wald und ordne meine Gedanken. Es sind zu viele, dass ich sie aufschreiben muss. Unzählige Erlebnisse aus den letzten zweieinhalb Jahren beschäftigen mich, dass sie wiederholt auf mich einstürzen. Es ist Zeit, dass ich sie festhalte.[*]

Dachten Sie nicht ein einziges Mal in ihrem bisherigen Leben darüber nach, wie es wäre, ein Theaterstück oder ein Buch zu schreiben? Für jemanden, der sich mit Autorentätigkeiten auseinandergesetzt, Erfahrungen in diesem Metier gesammelt hat oder dieses sogar beruflich ausüben darf, ist es wohl normal über diese Wahrscheinlichkeiten nachzudenken. Ebenso für einen Musiker oder Komponisten, wie mich. Bis zum Jahre 2003 kam ich nicht in diese Verlegenheit. Seither beschäftigt mich eine weitere Frage: Wie kommt man als Normalsterblicher ohne jegliche Erfahrungen auf die Idee ein Musical zu schreiben oder was noch wichtiger ist, wie setzt man so etwas dann um?

*gekürzt

 

 

 

 

 

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