Vom Musizieren war bald keine Rede mehr. Im Grunde, sehr bedauerlich. Einen kleinen Aufschwung gab es kurzzeitig 2004. Gegen Ende diesen Jahres bat mich ein Bekannter zu seinem 10-jährigen Bandjubiläum live zu spielen. Da diese Band, dieses Projekt sich als Akustik-Duo präsentierte, versuchten wir, drei unserer eigenen Songs ohne technischen Schnickschnack, mit einem Klavier und einigen Perkussionsinstrumenten umzusetzen. Das Ergebnis war hörbar. Nur wenige Wochen vor dem Termin, sagte man diesen ab. Es gab wohl Schwierigkeiten innerhalb des Projektes und mit der Umsetzung der Feierlichkeiten. Der Termin wurde verschoben in das Folgejahr. Zu diesem neuen Termin konnte ich bedauerlicherweise nicht anwesend sein. Kurz danach löste sich diese Band auf. Oder wie man heutzutage so schön sagt, das Projekt „pausiert“.

Bis eines Tages, ich glaube es muss im Sommer 2005 gewesen sein, musikalisch, abgesehen von meinem neuen Projekt des Musicals, in unserer kleinen Band nichts mehr passierte. Nicht nur allein wegen meiner gesundheitlichen Probleme, mit denen ich zu jener Zeit kämpfen musste. Also blieb ich mit meinen Ambitionen für die Popmusik allein. Im Jahre 2004 hatte ich begonnen ein neues Album aufzunehmen. Meist an anderen Wochentagen, als dem Freitag. Im gleichen Jahr hatte ich einen neuen Texter über das Internet kennengelernt. Seine Geschichten hatten zwar nicht mehr den bisherigen Zynismus und die inhaltliche Schwere der alten Songtexte, aber genau das gefiel mir. Kleine Erzählungen um die Liebe, um Sterne (schon wieder), vom Verlassenwerden und der Kommunikation. Keine Anstößigkeiten und völlig losgelöst von den schwerwiegenden Problemen der Menschheit. Bis zum Sommer waren sämtliche Songs geschrieben und warteten darauf gesungen zu werden. Da mir bei der alleinigen Arbeit wichtige Kontrollmöglichkeiten und Beurteilungen meines eigenen Gesanges fehlen, gehe ich mit Vorliebe zu Freunden ins Studio, die mich tatkräftig unterstützen und mir auf die Füße treten, wenn etwas nicht richtig gesungen oder gespielt wird.

Mitstreiter für ein Musicalprojekt – warum nicht? Somit schrieb ich eine Mail, worin ich mein Interesse bekundete. Was soll´s? Ich hatte zwar bis dahin keinerlei Erfahrungen im professionellen Theater- oder Filmbereich sammeln dürfen, aber so schwer kann auch das nicht sein. Dachte ich. Meine Zeit ließ es zu. Bereits zuvor bemühte ich mich mit Kleinanzeigen und Telefonaten etwas in dieser Richtung anzubieten. Bedauerlicherweise kamen hier keine Rückmeldungen, wie erhofft. Außerdem war ich nach diesen Umständen musikalisch nirgends mehr eingebunden und fragte schriftlich an, was man sich unter diesem Projekt vorstellen dürfe.

Am 27.12.2003 bekam ich folgende Antwort: „ Dank` für fixes Interesse! (Darf ich Frank sagen?) - ok, wie könnte man sich das vorstellen? Erst mal ganz langsam, ich dachte, man telefoniert sich erst mal zusammen......man trifft sich, spricht darüber und sieht dann weiter....“ Gesagt, getan. Die ersten Telefonate wurden geführt. Mit einem J.. Recht überschwänglich und wortgewandt versuchte mir dieser J.etwas darzulegen, was er vorhatte. Er hielt sich jedoch in seinen Ausführungen für das Projekt relativ bedeckt. Zugegeben, der erste Eindruck hat sich bei mir nicht eingeprägt. J.hörte sich an, wie ein Verkäufer. Dass er nicht so richtig mit der Sprache herausrücken wollte, leuchtete mir zu diesem Zeitpunkt nicht ein und Zweifel stiegen auf. Wer weiß. Ein Wichtigtuer? Ein Spinner? Egal, dachte ich. Meine Neugierde war zu groß, um das Angebot sofort abzulehnen. Ich wollte wissen, was dahinter steckt. Zunächst hielt ich mich ebenfalls bedeckt und versprach, einige Kurzstücke zu komponieren, damit er sieht, wie ich arbeite. Meine bisherigen Arbeiten an meiner Rock- und Popmusik sollten zu diesem Zeitpunkt keine Rolle spielen.

Trotz des genannten Eindrucks hatte diese Situation für mich einen besonderen Reiz. Zum Ersten klang dieses Vorhaben nach einer Herausforderung. Zum Zweiten sah ich darin eine fantastische Möglichkeit, meine Fähigkeiten, die bislang nur in der 3-bis-4-Minuten-Stücke-Fraktion lagen auszubauen und zu erweitern. Und zum letzten Schluss hatte ich all die Jahre eine Vision. Naja, mehr einen Traum. Meine Musik, egal welcher Art, wird von einem großen Orchester gespielt. Ich sitze in der ersten Reihe, genieße den Augenblick und bin stolz. Einfach nur stolz. Mein Bild ist im Programmheft abgedruckt und grinst mich an … wie ich schon bemerkte, ein Traum, der mich lange begleitete. Diese Vorstellung, dieser Wunsch rückte nun mit dieser Offerte ein Stückchen näher. Als Musiker einer Pop- oder Rockband bin ich einer von zehn- wenn nicht sogar von hunderttausenden auf diesem schönen Kontinent. Das Verhältnis beziehungsweise die Anzahl der Künstler von Musicalwerken sieht gewiss anders aus. Ich wusste nicht, welcher Inhalt dem angepriesenen Werk zugewiesen wird. Daher wollte ich mich überraschen lassen.

Wie verabredet, hatte ich in wenigen Tagen zehn bis zwölf kurze Stücke mit wenigen Takten komponiert und J. per E-Mail Mitte Januar des neuen Jahres zukommen lassen. Ich beschränkte mich in diesen kleinen Kompositionen auf Melodielinien in einer einfachen Klavierbegleitung. Danach ging es mit der Familie in den Urlaub. Den hatte ich mir redlich verdient.

Nach meiner Erholungswoche setzte ich mich erneut in mein Studio und komponierte, was die Fantasie hergab. Als ich J. die nächsten 22 Stückchen sandte, kam er gar nicht mehr hinterher, alles durchzuhören. Gut, vielleicht übertrieb ich ja. Ich muss zugeben, bis dahin hatte ich keinen richtigen Anhaltspunkt, wohin die Reise geht. Daher wollte ich ein Spektrum anbieten, dass sich mein Gegenüber ein Bild von meinen Fähigkeiten machen kann. So gesehen, tat ich dies natürlich eher für mich. In all den Jahren habe ich immer kleine Schnipsel, Fragmente, Rhythmen oder Songs geschrieben, die nie eine Verwendung fanden. Es ist zu meiner Arbeitsweise geworden. Mittlerweile müssen sich diese Ideen und Songs so auf die 350 bis 400 Stück beziffern. Man muss als Komponist viele Stimmungen und Gefühlsausbrüche festhalten, um „echtes“ Material zu erhalten. Das war bisher bei jeder LP-Produktion so. Hast Du 30 - 40 Ideen, bleiben mutmaßlich 5 bis 10 davon übrig, um ernsthaft in einer endgültigen Auswahl berücksichtigt zu werden. Es macht mir Spaß, Melodien und Musikfetzen festzuhalten. Wenn man nach Monaten oder Jahren, diese aus dem verstaubten Computerordner herausholt, kann man sich durchaus an spezielle Tage erinnern. In welcher Stimmung man sich befand, oder allein nur, welche Musik, welche CD´s oder Filme man an diesem Tage gehört oder gesehen hatte und sich inspirieren ließ. Als ich begann mit einem Computer zu arbeiten, damals einem Atari, wie ihn fast jeder Musiker bei sich zu stehen hatte, habe ich mir häufig die Mühe gemacht, jedes Stück zusätzlich auf einer sogenannten DAT-Kassette festzuhalten. Zu jenem Zeitpunkt ein Standard in jedem Tonstudio, da man auf diesen Kassetten Musik digital aufzeichnen konnte. Zudem liegt das Qualitäts- und Klangpotenzial weitaus höher als bei einer CD. Dieses Medium hat sich zu meinem Bedauern in der breiten Masse nie durchsetzen können. Obwohl ich denke, dass diese die Musikkassette in analoger Form, locker hätte ablösen können. Erstaunlicherweise höre ich mir meine Aufnahmen jedes Jahr wenigstens einmal an und schwelge in Erinnerungen.

Zum Seitenanfang