J. meinte es ernst. Das wurde mir mit der Zeit klar. In unzähligen Telefonaten sprachen wir über unser Projekt. An dem beschriebenen Abend in dem amerikanischen Restaurant zeigte er mir vorab einige Schriftstücke. Eine Art von rotem Faden. In diesem waren Teile seiner ehemaligen Songs und einige Zusatzideen niedergeschrieben, die bis dato noch keinen direkten Hinweis auf eine Geschichte hergaben. Mir fiel mit der Zeit auf, dass er sich im Grunde mit dem Theater nie analytisch auseinandergesetzt hatte. Weder seine Ausführungen zur Musik, noch die des geplanten Bühnenstückes ließen darauf schließen.

Ich hatte im Gegensatz dazu als Kind und Jugendlicher Erfahrungen im Theater sammeln dürfen und war jahrelang Ensemblemitglied zweier Theater, die für Kinder spielten. Somit hatte ich zumindest eine Ahnung, was funktionieren könnte, wie man ein Stück dramaturgisch aufbaut und wie man Stimmungen erzeugen kann. Das Einzige, worin mir die Erfahrung fehlte, war halt die des Schreibens. Ich hatte es einstmals mit Songtexten für die Band versucht. Die Resultate waren mehr als unbefriedigend. J. sah seine Fähigkeiten ebenfalls eingeschränkt, so dass wir relativ schnell beschlossen, uns Verstärkung zu holen.

Im Sommer 2004 gingen wir gemeinsam auf die Suche nach potenziellen Anwärtern. J. wollte nicht nur allein Autoren ins Boot holen, sondern mit dieser Suche ebenfalls andere Arbeitsrichtungen abdecken. Einen Administrator für ein Webportal, einen Graphiker, vielleicht noch andere Musiker, einen Autor für sein angedachtes Buch, einen für das Musical, eventuell einen Bühnenbildner und viele andere mehr. Ich musste ihn bremsen. Was bringen uns die vielen Leute für etwas, das noch nicht vorhanden ist? Einen Autor sehe ich ein. Einen Administrator oder Webdesigner auch, da wir beschlossen hatten, uns ein Arbeitsportal im Internet einzurichten. Aber die anderen? Wir führten lange Gespräche, was wirklich nötig sein muss und was nicht.

Ich bin nach wie vor der Auffassung dass der Spruch, wie es der Volksmund so schön sagt „zuviele Köche verderben den Brei“ immer noch Bestand hat. Ich hatte in den Jahren zuvor wiederholt diese Erfahrungen machen müssen. Das versuchte ich, durchaus heute noch, J. zu erläutern. Wir können doch kein Monster erschaffen oder ein Imperium aufbauen, das keine Grundlage hatte. Wir einigten uns darauf, zunächst die wichtigsten Bereiche abzudecken. Wir suchten in unseren Bekanntenkreisen und fanden hier einen Grafiker / Webdesigner und einen Autoren.

Da J. gern und häufig mit Anglizismen und Abwandlungen dieser seinen Wortschatz erweitert, gab es infolgedessen: einen Musical Director/Composing Director als Core Member No. 2, das war ich, einen Art Director, Core Member No. 3, ein Freund von mir und einen Story Director, Core Member No. 4, ein Freund von J. aus NRW und natürlich J. höchstpersönlich, als Producing Director, Chiefdesigner, Owner of the Process und Core Member No.1. Meine Güte, das muss man erst einmal sacken lassen. Bevor ich überhaupt etwas tat, hatte ich einen Super-Titel. Zu dem Begriff des „Core Member`s“ komme ich später noch zurück, denn ich habe gerade keine Zeit. Ich muss los, Visitenkarten drucken lassen. Ein Schriftstück wurde aufgesetzt, die „Principal Rules“, eine Art Vertrag, wo sämtliche wichtigen Dinge aufgeführt wurden, die eine Rolle in diesem Projekt spielen sollen. Nachdem sämtliche Titel, Betitelungen und Begrifflichkeiten vergeben waren, sollte es endlich losgehen. Na fein. Dann werde ich mein Brain anstrengen und meine Fantasy beflügeln, um das crazy Feeling zu bekommen, ein tolles Musical zu writen!

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