23.04.2007. Eine seltsame Situation. Auf Reaktionen bezüglich unseres Dokumentes warte ich bis heute. Über drei Wochen ist es her, dass wir unser Manuskript weitergaben. Vier Wochen sind vergangen, seit Jörg und ich unsere letzten Worte darin verewigten. Und? Nichts! Gar nichts! Nicht einmal zu einer Meldung, von wegen ...habe ich bekommen, werde es durchlesen.... oder ...habe keine Zeit, melde mich später..., ließen sich unsere Kollegen hinreißen. Ich verstehe das nicht. Jörg ist ungeduldig und würde am liebsten hinterher telefonieren. Die Warterei ist das Schlimmste daran.

16.05.2007. Wir schreiben seit vergangener Woche weiter. Die Inhalte unseres Roten Fadens sind aufgebraucht. Viele Ursprungsideen konnten wir einbinden. Als Erinnerungen unserer Protagonisten, in Form von Rückblenden. Vieles beruht auf gegenseitigen Kompromissen. Die entstandenen Dialoge, wie gleichfalls einige Songs sind neu und ergeben eine fortlaufende Story. Noch folgen sie den alten Ideen.

Eine unheimliche Spannung machte sich in mir breit. Der letzte Arbeitstermin war alles andere als erfreulich. Um meinen Unmut zu äußern, schrieb ich Jörg eine umfangreiche Mail: Hallo Jörg, wie ich bereits bemerkte, habe ich ich über die bestehende Situation nachgedacht. Dabei ist mir aufgefallen, dass wir ein Paradoxon erzeugen würden, wenn wir an beiden Fakten, also: Zeit, und Kind muss von unseren Darstellern sein, festhalten würden. Wie ich ja bereits in dem Zusatzschreiben Ende März festhielt, sollten wir uns genau überlegen, was auf der Bühne relevant sein kann und was nicht. Wenn ich weiterhin an die E-Mail aus dem vergangenen Jahr von Stefan, dem Regisseur zurückdenke, dann ist genau die Situation eingetreten, die er beschrieb:

21.06.2007 – Die Aufregungen der letzten Wochen hatten sich gelegt, so dass wir ohne größere Diskussionen weiterschrieben. Die Hälfte des Jahres ist vorbei und ich schätze, dass wir spätestens im Herbst mit unserem Roh-Manuskript fertig sein werden. Die ersten Überlegungen, wie es danach weiterginge, besprachen wir in wenigen Telefonaten. Es wird nach langer Zeit ein offizielles Treffen geben. Das Desaster unserer Planung im Sommer letzten Jahres war uns eine Lehre. Daher wird unsere Zusammenkunft in einem kleinen Rahmen stattfinden.

18.07.2007 – Urlaubszeit. Die letzten Wochen verliefen unspektakulär. Ende Juni hatten Jörg und ich unseren vorerst letzten Termin, um am Manuskript zu arbeiten. An diesem Tag entstand kein befriedigendes Ergebnis. Jörg pochte wiederholt auf einer Idee herum, mit der ich nichts anfangen konnte. Die Dialoge, die niedergeschrieben wurden, hörten sich an wie einige Yoda-Szenen aus den „Krieg der Sterne“ - Filmen. Zumindest war ein Bezug sehr deutlich herauszulesen. Jörg stritt dies in aller Deutlichkeit ab. Ich äußerte meine Unzufriedenheit und bat um Bedenkzeit. Mir war von vornherein klar, dass hier etwas geändert werden muss. Um meine Nerven aber nicht zu strapazieren beließen wir es vorerst dabei und ich kümmere mich später darum. Zudem ließen wir unseren Mitstreitern erneut ein erweitertes Exemplar zukommen.

30.07.2007 – Da wir uns seit Anfang des Jahres ausschließlich mit unserem Libretto beschäftigten, hatten nur wenige Mitstreiter den Zugriff auf unsere schriftlichen Dokumente. Jörg und ich, später dann auch Torsten und Rainer. Torsten nutzte die Gelegenheit und stellte, wie bereits angemerkt, seine Texte in unserer Theater-Vorlage ein. Allein aus diesem Grunde schaute ich interessehalber regelmäßig auf unser Manuskript, um zu erfahren, ob es Neues gibt. In der letzten Woche beriet ich mich mit Jörg, über das weitere Vorgehen mit unseren „verschollenen“ Autoren. Wenn wir von ihnen nichts hörten, meinte Jörg, unternähme er gern einen letzten Versuch, eine klare Zu- oder Absage zu erhalten.

08.08.2007 - Was macht ein Mensch, wenn er ungewollt viel Freizeit erhält? Richtig! Renovieren! Ich spüre zur Zeit jeden Muskel in meinem Körper. Selbst da, wo ich nicht dachte, dass welche vorhanden sind. Abgesehen von unserem wöchentlichen Schreibtermin, schaffte ich es in der letzten Woche nicht, mich mit unserem Manuskript auseinanderzusetzen. Teilweise bis um 22.30 Uhr klebte ich im wahrsten Sinne tagtäglich an den Wänden. Als an diesem Wochenende der letzte Pinselstrich gesetzt, die letzte Laminatplatte verlegt und das letzte Kabel, dass ich anschloss, die Deckenleuchte erhellte, machte ich drei Kreuze. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich etwas in meinen heimischen Räumen erneuere und verändere. Bin aber auch froh, wenn diese Zeit vorbei geht. Vor allem, wenn man jeden Knochen spürt. Man wird älter...

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