„Mein Projektplan kommt durcheinander!“ Diesen Satz habe ich in den letzten Jahren mehrmals gehört. J. ist ein Planer. Das ist sein Job im richtigen Leben. Verkäufer und Planer. Immer einen Schritt voraus sein. Wissen, was kommt. Man kann Kreativität nicht planen. Vor allen Dingen nicht, wenn man ein solches Projekt, neben seinem normalen Gelderwerb auf die Beine stellen möchte. Ich habe sicher einen Vorteil, dass ich in Teilzeit arbeite. Somit kann ich mir die Stunden für meine musikalischen Arbeiten nehmen, wenn ich sie brauche.

Man kann Regeln aufstellen und Begriffe prägen, sich selbst Aufgaben stellen und diese in ein Projekt einbringen. Ein Punkt unserer Aufgaben lautete, und wie sollte er anders benannt werden: „Core Track“. Mittlerweile für mich heiße Luft.

Ein Core Track, ein Core Track...., Mama, bringst du mir einen Core Track mit? Ja, mein Kind, aber nur, wenn Du artig bist.....! Was ist ein Core Track überhaupt? Nie gehört?! Ich ebenso nicht. Ich versuchte auf etlichen Internetseiten herauszubekommen, was es mit diesem Begriff auf sich hatte. Das Resultat meiner Recherche war ernüchternd. Diesen Begriff gibt es in dieser Form nicht. Ebenso wenig wie den Begriff „Core Member“. Abgesehen, dass es englische Worte sind, die diese Begriffe prägen, gibt es sie genaugenommen nicht. Die Einzelworte wie „core“ oder „track“ lassen sich natürlich übersetzen. „Core“ bedeutet in etwa so viel wie: Ader, Hülse, Mittelstück oder Kern. Der „track“ ist die Bahn, die Fährte, die Fußspur, der Kurs oder die Kernspur.

Ich deutete es an. J. ist ein Freund von Anglizismen und der englischen Sprache. Nicht allein, dass viele dieser Worte in seinem normalen Sprachgebrauch auftreten, nein, es sollte viel schlimmer kommen: Das Musical bzw. die Songs darin sollten in englischer Sprache entstehen. Um Gottes Willen, habe ich nicht genug Probleme? Warum sollte ich mich nun mit dem Englischen herumschlagen?

Die Hauptcharaktere waren gefunden, die Produktion unseres Vorhabens konnte beginnen. Ich wartete. Es passierte: vorläufig nichts. Es schien, als wartete jeder auf den anderen. Bevor wir letztendlich einstaubten, beschlossen wir, diesem Verharren ein Ende zu setzen. Aus diesem Grunde planten wir wenige Wochen später ein Treffen mit allen Mitgliedern, in dem erste Ideen unseres Musicals beschlossen werden sollten. Es war fast ein Jahr vergangen und außer ein paar Musikschnipseln, dem benannten roten Faden (später dann „Red Line“, mittlerweile „Aorta“) und unzähligen Planungsdokumenten gab es bis dato nichts, was auf ein Musiktheaterstück hinwies. Das Treffen musste stattfinden.

Schon lange vor unserem Treffen machte sich J. Gedanken darüber, welche Form der Publizierung zusätzlich möglich wäre. Ich denke zwar, wir sollten uns ausschließlich um das Bühnenstück kümmern und erst dann um andere Ideen, jedoch möchte ich ihn in seinen Vorstellungen und Träumen nicht immer bremsen.

Obwohl ich der Meinung war, dass unser Team hervorragend bestückt wäre, ging J. erneut auf die Suche nach neuen Mitstreitern für das Projekt. Andreas, unser Grafiker, machte uns in einem Gespräch darauf aufmerksam, dass er die Aufgabe des Administratoren für unser Arbeitsportal nicht übernehmen möchte. Ein Grund mehr für unseren Initiator, in den Weiten des World Wide Web nach einem geeigneten Ersatz zu suchen.

Man muss kommunizieren, wenn man sich einer gemeinsamen Aufgabe stellt und diese zu einem passablen Ergebnis führen möchte. Teamarbeit und der rege Austausch von Informationen gehören dazu. Das ist jedem klar. Nur sollte der Normalfall so aussehen, dass man kommunikativ wird, wenn es etwas zu berichten gibt. Das jedoch kam anfangs selten vor. J. kommuniziert gern und intensiv. Ich hoffe nur, dass uns dieser Umstand nicht eines Tages zum Verhängnis wird. Sein Hang zur Übertreibung, seinen planmäßigen Bestrebungen und auch eine gewisse Art von Wichtigtuerei bremst durchaus die Motivation der Mitstreiter. Vor allem, wenn man bedenkt, dass jeder an diesem Projekt freiwillig, in seiner Freizeit und ohne jeden Gegenwert mitarbeitet.

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