Die Idee, Künstliche Intelligenz zu nutzen, gibt es schon sehr lange. Die ersten theoretischen Grundsätze entstanden bereits um 1950 – dem Geburtsjahr meiner Mutter. Als wissenschaftliches und anerkanntes Konzept gilt die Idee offiziell seit der legendären Dartmouth-Konferenz im Jahr 1956. Es sollte jedoch noch Jahrzehnte dauern, bis wir Otto-Normalverbraucher eine konkrete Vorstellung davon bekommen sollten.

Stattdessen bereitete uns die Filmwelt langsam darauf vor: 2001: Odyssee im Weltraum (1968), Blade Runner (1982), die Terminator-Reihe mit dem KI-Netzwerk Skynet oder die Matrix-Filme. Sie alle spielten mit dem Konzept der denkenden Maschine – meist mit einem düsteren Ausgang für die Menschheit.

Die echten technologischen Meilensteine jener Zeit haben wir dagegen oft nur am Rande mitbekommen. Die Erschaffung des ersten Chatbots „ELIZA“ in den 60ern, frühe medizinische Expertensysteme, erste KI-gestützte Telefonhotlines oder der historische Sieg des IBM-Computers Deep Blue gegen den Schachweltmeister Garri Kasparow im Jahr 1997 – all das war faszinierend, hatte für unser eigenes Leben aber kaum Bedeutung.

Erst mit dem Einzug von Sprachassistenten wie Siri, Cortana oder Alexa, die nach und nach unseren Alltag erleichtern sollten, wurde es langsam greifbar. Auch wenn sie uns bis heute nicht immer fehlerfrei verstehen, war das ein erster Vorgeschmack. Für mich persönlich blieb es damals eine nette Spielerei.

Der echte Wendepunkt kam im November 2022: Mit der Veröffentlichung von ChatGPT durch das Unternehmen OpenAI bekamen wir plötzlich alle ein mächtiges Werkzeug an die Hand. Erst jetzt konnten wir selbst testen, was moderne KI tatsächlich vermag. Dieser Erfolg löste eine Lawine aus, von der auch unzählige andere Systeme profitierten. Ob das Generieren und Restaurieren von Bildern, das Komponieren von Songs oder das Erstellen ganzer Videosequenzen – Aufgaben, die früher Tage dauerten, erledigen KI-Systeme heute in einem Bruchteil der Zeit.

Die ersten KI-gestützten Tools, die ich selbst verwendete, waren Plugins für die Musikbearbeitung. Ich schreibe Songs und nehme sie in meinem kleinen Studio auf. Die Werkzeuge nutze ich nun schon einige Jahre, um Einzelspuren oder ganze Instrumentengruppen so zu bearbeiten, dass sie sich perfekt in den Gesamtkontext eines Songs einfügen. Meist sind diese Programme auf eine einzige Aufgabe spezialisiert: EQ-Bearbeitung, Lautstärkeanpassung, Kompression oder das Erkennen und Reduzieren unerwünschter Nebengeräusche wie Klicktracks, Atmern sowie S- und Plopp-Lauten. Mittlerweile gibt es solche Plugins auch als Kombiwerkzeuge. Es ist erstaunlich, welche Ergebnisse man damit in kürzester Zeit erzielt – eine händische Bearbeitung würde ein Vielfaches der Zeit schlucken. Nicht immer führt das zu einem Resultat, das mir gefällt. Aber hier spielen eben nicht nur technische Aspekte eine Rolle, sondern auch mein persönlicher Geschmack und meine Vorstellung davon, wie die Audiospuren klingen müssen.

Ob ich diese Art von Werkzeugen nun tatsächlich „KI“ nennen würde, kann ich gar nicht so genau sagen. Ja, diese Plugins analysieren mein Material und liefern ein Ergebnis basierend auf meinen Vorgaben. Aber ob das dann auch musikalisch passt, steht auf einem anderen Blatt. Was ich jedoch weiß: Ich würde diese Art der Bearbeitung vermissen. Selbst wenn das Ergebnis am Ende nur als Referenz für die weitere, manuelle Bearbeitung dient.

Das erste wirklich interessante KI-Tool, das diesen Namen aus meiner Sicht auch verdient, kaufte ich vor circa eineinhalb Jahren: ein Programm zur Stimmenumwandlung. Da ich ohnehin viel experimentiere, war dieses Plugin für mich vor allem für Begleit- und Chorstimmen spannend. Ich sang eine Spur ein und ließ sie in eine Frauenstimme umwandeln. Die Resultate waren verblüffend. An dieser Stelle erkannte ich erstmals, was für ein großartiges Werkzeug KI sein kann. Natürlich muss ich einräumen, dass das Ergebnis zwar erstaunlich gut, aber nicht perfekt ist. Gerade in der Stimmbearbeitung hat KI noch Defizite. Durch winzige Artefakte hört man meistens heraus, dass eine Maschine im Spiel war. Diesen Effekt bemerkt man auch bei unzähligen Clips im Internet. Für Hauptstimmen würde ich die Technologie aktuell daher noch nicht nutzen.

Man kann zum Thema KI völlig unterschiedlicher Meinung sein. Man kann sie ablehnen, Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen haben, sie als Bedrohung sehen oder sie einfach nur begrüßen. Letztendlich ist es egal, wie man dazu steht: Der Ball wurde ins Rollen gebracht und lässt sich nicht mehr aufhalten. Die Entwicklung schreitet rasant voran. Ich selbst finde das Thema extrem spannend, bin mir aber bewusst, dass sich vieles verändern wird. Ganze Berufsgruppen werden verschwinden, Geschäftsmodelle müssen überdacht werden. Softwareanbieter müssen unter Umständen ihre Grundkonzepte ändern, weil ihre Produkte schlicht überflüssig werden. Und wenn man sich das Tempo der Systeme so anschaut, könnten manche Umbrüche schneller kommen, als wir dachten.

Warum ich diesen Artikel überhaupt schreibe, liegt an meinen Erfahrungen aus den letzten zwei Wochen. Da wurde ich völlig davon überrascht, wie nützlich eine KI im echten Alltag sein kann.

Aber von vorn: In meinem Artikel „Zu doof für’s Internet“ berichtete ich bereits von meinen eher bescheidenen Kenntnissen im Website-Bau. Da ich mehrere Internetpräsenzen führe, ist das eine denkbar schlechte Voraussetzung. Durch meine eingeschränkten Fähigkeiten stieß ich schnell an Grenzen. Ich musste ständig Kompromisse eingehen, die zwar funktional in Ordnung waren, mich aber insgeheim ärgerten. Klar hätte ich mir professionelle Hilfe holen können – aber das hätte sich in der Kosten-Nutzen-Rechnung für mich einfach nicht gelohnt.

Um mich von den starren Arbeitsabläufen und der Abhängigkeit eines Content-Management-Systems (CMS) zu lösen, steckte ich wochenlang mühselige Arbeit darin, meine Seiten statisch aufzubauen. Ich wollte, dass sie auch Jahre später noch exakt so aussahen wie am ersten Tag. Dadurch verlor ich zwar an Flexibilität, musste mir aber keine Sorgen mehr machen, dass im Hintergrund fehlerhafte Plugins die halbe Website zerschießen. So blieb es dann auch einige Jahre.

Die Idee war ein netter Versuch. Ich saß ewig am Computer, übertrug Seite für Seite, Bild für Bild. Da ich mich für fertige Design-Vorlagen entschieden hatte, war ich allerdings im starren Korsett des jeweiligen Templates gefangen. Das Ärgerliche: Ich bezahlte sogar Geld dafür, obwohl nicht alles enthalten war, was ich brauchte, und manches schlicht nicht funktionierte. Es folgten stundenlange, erfolglose Recherchen, um die Fehler (oder meine eigene Unfähigkeit) zu beheben. Reine Zeitverschwendung. Aber hey, meine Inhalte waren immerhin wieder online und sahen einigermaßen gut aus.

Für meine Band-Website und meine Label-Präsenz war das vollkommen okay, da sich dort selten etwas änderte. Für meinen „Larifari-Blog“ fehlte mir wegen der technischen Hürden jedoch jegliche Spontanität. Als ich mich eines Tages endlich wieder dazu durchgerungen hatte, einen Artikel zu veröffentlichen, streikte plötzlich mein Programm. Um es weiterzunutzen, hätte ich nach einem Anbieterwechsel ein Abo abschließen müssen. Das wollte ich nicht. Also blieb alles beim Alten: mit veralteten Inhalten. Mit der Zeit ärgerte ich mich immer mehr über den starren Rahmen. Sogar meine Kontaktformulare funktionierten nicht mehr. Eine Lösung fiel mir nicht ein. Ein neues CMS mit all seinen Tücken, neuen Kosten und wochenlangen Basteleien lehnte ich kategorisch ab. Bis der Chat kam…

ChatGPT hatte ich bis dahin nur für Kleinigkeiten und Spielereien genutzt. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an den Trend in den sozialen Netzwerken, bei dem man das eigene Gesicht auf eine verpackte Actionfigur montieren lassen konnte. Natürlich habe ich das auch ausprobiert. Ansonsten nutzte ich die KI eher als Übersetzer, zur Textkorrektur oder als gelegentlichen Ideengeber, wenn ich bei einem Songtext feststeckte. Manchmal brachte mich das auf neue Gedanken, manchmal nicht. Eine wirkliche Vorstellung davon, wie man KI als echtes Werkzeug einsetzt, hatte ich jedenfalls nicht.

Vor ein paar Wochen stand dann mein Bruder vor einem Problem: Er benötigte dringend eine Website, hatte aber noch weniger Ahnung davon als ich. Er wählte einen Weg, der mir im Traum nicht eingefallen wäre: Er spannte die KI ein. Nach nur drei Tagen hatte er eine voll funktionsfähige, absolut respektabel aussehende Website mit allem drum und dran. Ich konnte es kaum glauben, schaute mir das Ergebnis genau an und beschloss: Ich wage den Selbstversuch. Ich setzte mich an den Rechner, startete ChatGPT und bat die KI darum, meine bestehende Band-Website im gleichen Stil und Aufbau einfach nachzubauen. Ich wollte einfach mal sehen, wo die Grenzen des Systems liegen.

Schon die allererste Version, die mir die KI ausspuckte, machte mich sprachlos. Also ging ich einen Schritt weiter und benannte all die Dinge, die vorher schlicht unmöglich schienen. Zack – schon war alles drin. Ein funktionierendes Kontaktformular? Kein Problem, integriert! Nach nur zwei, drei Tagen voller Detailänderungen und optischer Anpassungen war meine Website komplett fertig. Ich lud sie hoch und konnte es kaum fassen: So kinderleicht hatte ich noch nie eine Webpräsenz auf die Beine gestellt.

Angespornt durch dieses Erfolgserlebnis setzte ich mich direkt an meine anderen Internetauftritte. Während des Prozesses kamen mir immer neue Ideen, die ich die KI einfach direkt bauen ließ. Schon lange hatte ich zum Beispiel mit einem kleinen Online-Shop für meinen CD-Verkauf geliebäugelt. Bisher scheiterte das Projekt immer daran, dass es entweder zu teuer oder schlicht zu kompliziert war. Also fragte ich: „ChatGPT, kannst du mir so etwas bauen und nach meinen Vorstellungen umsetzen?“ Die Antwort: Kein Problem! Und zack – hatte ich meinen eigenen kleinen Online-Shop auf der Seite. Exakt mit den Inhalten und technischen Hintergründen, die ich wirklich brauchte, ganz ohne überflüssigen Ballast. Ich war völlig baff.

In den vergangenen zwei Wochen habe ich – sogar weit über die reinen Webseiten hinaus – insgesamt acht Projekte realisiert, die mir schon ewig im Kopf herumgeisterten. Ohne die Unterstützung der KI hätte mich die Umsetzung wahrscheinlich Monate gekostet. Jetzt sind sie einfach da, fertig und einsatzbereit. Das Beste daran: Sie funktionieren genau so, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Komplett unabhängig, ohne ewige Update-Orgien und vor allem ohne diese zeitraubende Technikpflege, die früher meine ganze Energie gefressen hat, nur damit überhaupt irgendetwas läuft.

Wenn das erst der Anfang einer im Alltag funktionierenden KI ist, dann bin ich verdammt gespannt, was die Zukunft noch bringt…